Being Nina Hagen
Ich bin fünfundvierzig, die Perücke juckt, die Schminke ist mir unerträglich. Die Sonne auf Ibiza scheint ein Loch in meinen Schädel. Ich nehme die wild toupierten Haare ab und fahre mir durch die schwarzen Stoppeln.
Michi, rufe ich in die Bucht hinaus. Michi, komm mal her!
Michi fährt die Karre aus dem Dreck. Dazu sind Manager da. Gleich wird Mama kommen, hier auf die Hazienda, sie wird Abbitte leisten für Evas schöne neue Welt, ihr Buch, in dem sie mich enthüllte. Das Buch ist ein Sammlerschnäppchen: Eine Lieferung ging noch raus an die Buchläden, die restlichen 4000 Exemplare müssen eingestampft werden. Weil ich es so will.
Per gerichtlicher Verfügung. Trotzdem tourt Mama mit dem Buch, liest vor, wo sie nur kann, lässt Kameras auf sich richten, bedauert die Schlammschlacht, führt sie aber weiter und weiter.
Eva, Eva, was hast du dir dabei gedacht?, frage ich sie. Ich weiß es nicht, druckst sie kleinlaut.
Ich, nackt und schwanger, ein privater Schnappschuss, der Abschiedsbrief an Cosmas Vater - warum soll das jeder sehen?
Ach weißt du, Nina, ich dachte, wenn du in Talkshows onanierst, dann kann ich das auch. Veröffentlichen.
- Datum 04.05.2000 - 14:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 19/2000
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren