Der lange Abschied

Er hat es mit seinem Festival noch bis an den Potsdamer Platz geschafft. Aber heimisch wird er dort nicht mehr werden. In der vergangenen Woche hat das Kuratorium der Berliner Festspiele den Vertrag von Moritz de Hadeln als Leiter der Berlinale gekündigt. Nach dem Festival im Februar 2001 muss er gehen, zwei Jahre vor Ende seiner regulären Vertragslaufzeit. Die überhastete Art, mit der die Kündigung erfolgte, hat de Hadeln nicht verdient, den Abschied schon, und er kommt auch nicht überraschend. De Hadelns Vertrag enthielt ausdrücklich die Möglichkeit einer um zwei Jahre vorgezogenen Auflösung. Bereits bei Unterzeichnung war weniger diese "Optionsklausel" bemerkenswert gewesen als die Tatsache, dass der Vertrag überhaupt noch einmal erneuert wurde. Seit 21 Jahren leitet de Hadeln das Festival. Nie wirkte er dabei sonderlich inspiriert. Stargäste schienen ihm wichtiger zu sein als die dazugehörigen Filme für erstklassige Namen ließ er sich bereitwillig zweitklassige Werke aufdrängen. Vielleicht war es das, was ihn so lange an der Spitze hielt. Die Berliner Politiker kannten sich im Programm nicht aus, aber einen Star konnten sie immerhin erkennen. De Hadeln gehörte nie wirklich zur Stadt, überhaupt schien er selten da zu sein. Und doch wirkte er in seiner ungelenken Sturheit wie ein typischer Vertreter des Westberliner Milieus. - Wer kommt, wenn er geht, ist noch offen. Michael Naumanns Favorit ist Dieter Kosslick, der Chef der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, ein umtriebiger, animierender Manager, der allerdings vor lauter Umtriebigkeit kaum mehr Zeit fürs Kino findet. Er würde die Ausstrahlung des Festivals verbessern - aber die Auswahl? Die Entscheidung soll im Sommer fallen.

 
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