Diener seiner Partei

Der Sozialdemokrat Hermann Molkenbuhr in einer Biografie und einer Edition seiner Tagebücher

Was Hermann Molkenbuhr für das deutsche Proletariat, für die internationale sozialistische Bewegung geleistet hat, ist eingegraben in die Tafeln der Geschichte", schrieb das Hamburger Echo in einem Nachruf auf den Arbeiterführer, der im Dezember 1927, im Alter von 76 Jahren, gestorben war.

Leider irrte das SPD-Blatt. Denn Molkenbuhr, einer der Gründungsväter der Sozialdemokratie und langjähriges Mitglied des Parteivorstands, geriet schon bald nach seinem Tode in Vergessenheit. Heute ist sein Name allenfalls noch Spezialisten auf dem Gebiet der Arbeitergeschichte bekannt.

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Diesen unerfreulichen Zustand möchte nun Bernd Braun, Mitarbeiter der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg, in einer Doppelaktion beenden: Er hat zum einen, auf der Grundlage umfangreicher Archivrecherchen, eine Biografie geschrieben

und er hat zum anderen, gemeinsam mit Joachim Eichler, die Tagebücher herausgegeben, die Molkenbuhr von 1905 an bis zu seinem Tode geführt hat. Beides ist höchst verdienstvoll - zumal in einer Zeit, in der die Geschichte der Arbeiterbewegung schon längst keine Konjunktur mehr hat und die regierenden Sozialdemokraten an ihre Traditionen nicht mehr erinnert werden möchten.

Molkenbuhr war, das betont der Autor zu Recht, in mancher Beziehung ein typischer Repräsentant der frühen Sozialdemokratie. 1851 im holsteinischen Wedel geboren und im Industriedorf Ottensen bei Altona aufgewachsen, hatte er die Nöte und Entbehrungen einer proletarischen Existenz noch am eigenen Leibe erfahren. In zähem Selbststudium eignete sich der gelernte Zigarrendreher eine erstaunliche Allgemeinbildung an. 1872 wurde er Mitglied im Ottensener Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein - mehr inspiriert durch die Schriften Lassalles als durch die Werke von Karl Marx. 1875 war der gerade 23-Jährige Delegierter auf dem berühmten Vereinigungsparteitag von Lassalleanern und Eisenachern in Gotha - der eigentlichen Geburtsstunde der deutschen Sozialdemokratie.

Prägend wurde für Molkenbuhr, wie für viele andere Arbeiterführer der ersten Generation, das Erlebnis von Rechtlosigkeit und Willkür während der zwölf Jahre des Sozialistengesetzes von 1878 bis 1890. 1881 wurde er aus dem "nördlichen Belagerungsgebiet" von Hamburg, Altona und Umgebung ausgewiesen.

Dem Verlust von Wohnung und Arbeitsplatz folgte der Entschluss auf dem Fuße, in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Drei Jahre brachte er dort zu, und diese erzwungene Horizonterweiterung sollte ihm von Nutzen sein. Er lernte die englische Sprache, wodurch ihm später immer wieder die Aufgabe zufiel, die Partei auf internationalen Kongressen zu vertreten.

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