Erinnern ohne Masterplan

Berlins zentrale Gedenkstätten müssen endlich zusammenarbeiten

Die drei im Entstehen begriffenen zentralen Gedenkstätten der Hauptstadt - das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das Jüdische Museum, die Topografie des Terrors - haben in letzter Zeit eine ziemlich schlechte Presse. Und in der Tat kann es einem ja angst und bange werden angesichts der Lage: Das Jüdische Museum musste seine Eröffnung verschieben, weil die Infrastruktur schon vor dem Ansturm der Besucher des leeren Hauses versagte.

Der Neubau der Topografie unterliegt einem Baustopp, weil die für den Entwurf Peter Zumthors angesetzten Kosten sich als viel zu niedrig erwiesen haben - jetzt fehlen über 20 Millionen, und es muss neu gerechnet werden.

Anzeige

Schließlich: Niemand weiß bisher ganz genau, wie der vom Bundestag beschlossene "Ort der Information" am Eisenman-Denkmal beschaffen und was dort zu sehen sein soll.

Fast könnte man über solchen Nachrichten vergessen, dass hier in wenigen Jahren - wenn denn der Bund und Berlin sich erst einmal über leidige finanzielle Fragen einig werden - ein Ensemble von großer Anziehungskraft entstehen wird. Das Denkmal und die beiden Museen werden eine Hauptattraktion des neuen Zentrums sein: Man darf die 100 000 Besucher des Libeskind-Baus, die im letzten Jahr acht Mark bezahlt haben, um ein leeres Gebäude anzuschauen, getrost als Vorzeichen nehmen. Die törichte Polemik gegen das "zentralisierte Gedenken", die "Kranzabwurfstelle", den "fußballfeldgroßen Albtraum" und so weiter wird dann vielleicht endlich verstummen, und man wird das Dreieck der Institutionen zwischen Wilhelmstraße, Lindenstraße und Brandenburger Tor als respektable Anstrengung der Bundesrepublik und Berlins wahrnehmen, sich mit der eigenen Geschichte auseinander zu setzen. Man darf darauf wetten, dass dann alle jene, die jetzt zögern und zagen, immer schon dafür gewesen sein wollen.

Die Gegner des zentralisierten, staatsnahen Antifaschismus mögen sich klarmachen: Es handelt sich in allen drei Fällen - auch wenn sich besonders weiter südlich im Lande hartnäckig andere Gerüchte halten - nicht um von oben verordnete Staatstrauerstätten. Alle diese Institutionen sind Ergebnis eines ursprünglichen Bürger-Engagements, das nur durch Zähigkeit einiger Unentwegter Erfolg haben konnte. Und auch dies muss man mittlerweile klarstellen: In der Berliner Mitte entstehen nicht etwa drei "Holocaust-Gedenkstätten", sodass man bei Geldnot auf eine verzichten könnte.

Diese Vorstellung scheint sich nicht nur beim schlecht informierten Publikum, sondern auch bei einigen Berliner Politikern festgesetzt zu haben. Man spielt die in Geldnot befindliche "Topografie" jetzt gerne gegen den "Ort der Information" aus. Die gänzlich Ahnungslosen gar, die das Jüdische Museum als eine Art Holocaust-Museum - wie in Washington oder Jad Vashem - missverstehen, ziehen hinter vorgehaltener Hand auch dieses Haus mit in das Poker hinein.

Wenn sich die drei Institutionen nicht bald dazu entschließen, eine gemeinsame oder mindestens koordinierte Informationspolitik zu betreiben, wird der Schaden für alle immens sein. Es wäre in der jetzigen Lage hilfreich, wenn die Öffentlichkeit erführe, wie man die künftige Arbeit abzustimmen gedenkt. In Berlin wird in solchen Fällen meist ein so genannter "Masterplan" gefordert. Ein paar Anrufe, Faxe und E-Mails hin und wieder würden auch schon reichen.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service