Der Pavillon der Hoffnung - ein gelungenes Symbol für die Expo

Die Kritiker sind still geworden. Zum Beispiel Hans Mönninghoff, Hannovers grüner Umweltdezernent. Vor zwei Jahren noch warf er den Expo-Machern in einer leidenschaftlichen Rede vor, sie hätten sich 1992 die Zustimmung der Hannoveraner zur Weltausstellung - die mit 51,5 Prozent denkbar knapp ausfiel - quasi erschlichen, indem sie "das Blaue vom Himmel versprochen", doch nichts davon gehalten hätten. "Die Bauten auf dem Expo-Gelände, der Themenpark und die Durchführung der Veranstaltung selber" sprächen "dem Weltausstellungsmotto und den Sonntagsreden über Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung Hohn", wetterte er.

"Diese Logik verschließt sich mir", sagt dazu Robert Exner, der Expo-Referent des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Niedersachsen. Nur um "ein paar Mark fünfzig abzuzweigen", könne man sich doch nicht mit dieser Expo arrangieren, einer Veranstaltung, bei der "Welten zwischen Anspruch und Wirklichkeit" klafften. Das Motto der Ausstellung "Mensch, Natur, Technik - Eine neue Welt entsteht" sei auf eine Weise umgesetzt worden, kritisiert der Ökolobbyist, dass am Ende nur eine Botschaft übrig bleibe: Großtechnik, egal ob Atom-, Gen- oder Autotechnik, wird alles richten. Auch Exner zieht sich nun zurück: Wenn am 1. Juni die Expo beginnt, wird er mit seiner Familie für die Dauer der Ausstellung Hannover den Rücken kehren und im VW-Bus durch Großbritannien touren.

Still ist es schließlich auch in den Reihen der Wirtschaft geworden. Vor nicht allzu langer Zeit noch fürchtete der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Umweltverbände könnten der Expo ihren Stempel aufdrücken. "Die Unternehmen wollen sich positiv präsentieren und können sich nicht unter ein Dach begeben, das möglicherweise vornehmlich industriekritisch ist", monierte BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg. Diese Gefahr ist gebannt. "Ich glaube sagen zu können, die Wirtschaft kann mit den Präsentationen jetzt sehr zufrieden sein", erklärt nun BDI-Sprecher Albrecht von der Hagen. Das nicht eben wirtschaftsfeindliche Magazin Capital sagte es ebenso deutlich wie lapidar: "Bei der Weltausstellung entscheidet die Industrie."

Wird die hannoversche Expo, die erste auf deutschem Boden, demnach eine profane Leistungsschau der Industrie wie alle anderen vor ihr? Was ist geblieben vom Anspruch, eine "Weltausstellung neuen Typs" zu präsentieren, wie Expo-Generalkommissarin Birgit Breuel, seit 1997 auch Mitgeschäftsführerin der Expo GmbH, nicht müde wird zu beteuern?

Den Zielen der Agenda 21, jenes Aktionsprogramms für das 21. Jahrhundert, das die Staats- und Regierungschefs auf dem Umweltgipfel von Rio 1992 verabschiedeten, fühle sich die Expo verpflichtet, hoben die Macher stets hervor. Ob Umwelt, Ernährung, Energie oder Kommunikation - zu all diesen Themen sollen "Ideen und Ansätze präsentiert werden, die sich deutlich am Ziel der nachhaltigen Entwicklung orientieren", heißt es in einem Expo-Papier.

Das Herzstück der Veranstaltung soll der Themenpark sein. Zumindest ist er ein Novum: Erstmals inszeniert damit ein Expo-Veranstalter einen eigenständigen Beitrag und beschränkt sich nicht darauf, den Bau der mehr oder minder gelungenen Nationenpavillons zu betreuen. In elf Einzelausstellungen, verteilt auf fünf Messehallen, will der Themenpark "das künftige Zusammenleben der Menschen im Einklang mit der Natur" (Expo) sinnlich "erfahrbar" machen.