Manche Leute freuen sich auf neue Dinge. Ich gehöre nicht zu ihnen. Ganz egal, worum es sich handelt - ein neues Jahr, einen neuen Mantel, ein neues Haus. Es stimmt mich traurig, das Alte aufzugeben. Ich trauere um das alte Jahr, den alten Mantel, das alte Haus.

Dem Neuen misstraue ich. Veränderungen sagen mir nicht zu. Überraschungen sagen mir nicht zu. Das Ungewisse sagt mir überhaupt nicht zu. Ich weiß, dass es zur menschlichen Erfahrung gehört. Zur »condition humaine«. Aber es sagt mir nicht zu.

In New York ist es nicht schwer, über Leute, die man seit Jahren kennt, so gut wie nichts zu wissen.

Ich weiß gern über die Rituale und Routine anderer Bescheid. Ich weiß gern darüber Bescheid, was sie mittags essen. Ich mag Familiarität. Ich finde sie beruhigend.

Ich mag den Umstand, dass das Käsegeschäft Joe's Dairy in der Sullivan Street mittags geschlossen ist. Den Laden gibt es seit Jahren in SoHo. Jeden Tag werden dort mehrere hundert Pfund frischer und geräucherter Mozzarella hergestellt. Und jeden Tag ist der Laden zwischen zwölf Uhr und ein Uhr mittags geschlossen.

Joe's Dairy ist eines der letzten Relikte im Viertel. Von den einstigen Nachbarn sind auch nicht mehr viele übrig. In SoHo wimmelte es früher von Künstlern und Schriftstellern. Heute scheint es, als wären die einzigen übrig gebliebenen Exemplare dieser Spezies mit männlichen und weiblichen Bankern oder Anwälten verheiratet.

Silvester 1999 sah es in SoHo so aus wie immer. Bis auf ein paar Einheimische waren die Straßen so gut wie menschenleer. Ich war glücklich trotz des Umstands, dass das ganze neue Jahr, neue Jahrhundert, neue Jahrtausend ein bisschen zu viel Neues für mich war. Ich war das alte Millennium gewohnt. So viele Neuanfänge schüchterten mich ein. Was galt es zu entrümpeln, um das Neue zu begrüßen?