Leben wie im Club Mediterrané

Eckhart Ribbeck, Leiter des Städtebaulichen Instituts der Uni Stuttgart, über die Zukunft der Megastädte

DIE ZEIT: Kleine, abgezäunte Luxusghettos inmitten von Slums - sehen so die Megastädte der Zukunft aus?

RIBBECK: Nein, nicht jede große Metropole entwickelt sich so. Da sind einerseits die so genannten world cities wie Tokyo oder New York, die die weltweiten Finanz- und Handelsströme auf sich konzentrieren und dabei sehr reich werden. Und dann gibt es die armen Schwestern der world cities, die unkontrolliert wachsen und von den verarmten Bevölkerungsmassen fast erdrückt werden.

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RIBBECK: Eine Stadt wie Kinshasa (die Hauptstadt des Kongo) ist es vermutlich nicht mehr. Das ist eines jener städtischen Konglomerate, die überhaupt keine normalen Siedlungsstrukturen haben. Stadtplanung ist dort so gut wie unmöglich.

ZEIT: Kinshasa ist ein extremes Beispiel ...

RIBBECK: Mag sein, aber alle Megastädte haben riesige Probleme. Sie wachsen nicht nur räumlich sehr schnell, sondern verändern ständig ihre soziale Struktur. In den Metropolen des Südens geraten neuerdings auch gewachsene Mittelschichten unter Druck, da viele Menschen traditionelle Berufe ausüben, mit denen kein Geld mehr zu verdienen ist. Neben dem formellen Sektor entsteht dann eine riesige Schattenwirtschaft. Gleichzeitig bildet sich eine neue, elitäre Schicht, die direkt mit der Weltwirtschaft verbunden ist. Sie schafft sich Enklaven, Luxusghettos.

ZEIT: Manche Stadtplaner reden von sozialer Apartheid.

RIBBECK: Ja, die Schere zwischen Armen und Reichen öffnet sich immer weiter, unter den Städten und in den Städten selbst. Aber wir sollten das selbstkritisch sehen. Die Megastädte der Entwicklungsländer, in denen Arm und Reich auf engstem Raum aufeinander prallen, spiegeln die globale Situation. Wir leben hier auf dem Wohlstandskontinent Europa. Auch wir ziehen Barrieren hoch, um uns die Probleme vom Leib zu halten. Auch wir sind eine große Insel, ein kontinentales Luxusghetto sozusagen.

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