Viel Zeit, um seinen Erfolg zu genießen, blieb ihm nicht vergönnt.

Immerhin war er knapp 65, als 1988 die deutsche Übersetzung seines Romans Die schöne Frau Seidenmann erschien. Das war sein Durchbruch. Der überwältigende Triumph des Buches verschaffte Andrzej Szczypiorski im deutschsprachigen Raum den dauerhaften, fast uneingeschränkten Zugang zur breiten Öffentlichkeit. So ist er im letzten Jahrzehnt kaum einem anderen Polen zuteil geworden.

Zurückhaltung war nie die Stärke dieses gefragten Essayisten und Diskussionspartners. Schlagfertig, mit viel witzigem Sarkasmus und rhetorischer Vehemenz trat er für das ein, an das er glaubte: Toleranz, geistige Freiheit, Menschenwürde, Anstand in der Politik. Dabei vermochte er so gut wie kaum ein anderer dem deutschen Publikum das polnische Denken und Empfinden zu vermitteln.

So wurde aus dem Untergrundkämpfer und ehemaligen KZ-Häftling, der sich lange jeder Annäherung widersetzte, einer der wichtigsten Vordenker der polnisch-deutschen Aussöhnung. Bereits in den siebziger Jahren verwandelte sich der einst glühende kommunistische Agitprop-Schreiber in einen liberalen Intellektuellen. 1977 wurde ihm das durch ein Berufsverbot auch amtlich bestätigt. Das Kriegsrecht, das General Jaruzelski 1981 über Polen verhängte, brachte den Solidarnoc-Anhänger ins Internierungslager.

Szczypiorski wollte vieles aus seinem ersten politischen Leben wiedergutmachen. Mit gewohnter Kompromisslosigkeit und Vehemenz kämpfte er nach der Wende gegen authentische und vermeintliche Gefahren für die polnische Demokratie, ortete den Feind stets aufseiten der katholischen Kirche, der polnischen Christlich- und Nationalkonservativen. Dass er als intellektueller Prophet im deutschsprachigen Ausland viel mehr galt als im eigenen Land, hat er nie ganz verwunden.