Die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland ist in beiden Staaten längst Teil des jeweiligen Selbstverständnisses geworden. Doch die glänzende Zusammenarbeit seit den Tagen, da de Gaulle und Adenauer im Januar 1963 den Elysée-Vertrag schlossen, erstrahlte hierzulande nicht zuletzt deshalb in einem so hellen Licht, weil man die Zeit unmittelbar davor als so trübe und schmerzhaft wahrnahm. Die "düstere Franzosenzeit" 1945 bis 1949 hatte sich im kollektiven Gedächtnis der Deutschen tief eingeprägt, ja, die Besatzungspolitik Frankreichs schien dem nachbarlichen Verhältnis eine schwer zu übersteigende Barriere in den Weg zu legen. Kurt Schumacher hatte die Franzosen als "Westrussen" gebrandmarkt, und in Analogie zum Eisernen Vorhang, der im Osten Deutschlands niederging, war 1947 in der ZEIT vom "Seidenen Vorhang" im deutschen Südwesten zu lesen, hinter dem die Besatzungsmacht offenbar eine unbarmherzige Revanchepolitik betrieb.

Die Politik der französischen Besatzer schien so drückend, dass sie für die folgenden Jahrzehnte zu einem Tabuthema erklärt wurde. War die Furcht vor der Vergangenheit nicht allzu begründet? Frankreichs desaströse Deutschlandpolitik nach 1918 erschien geradezu harmlos im Vergleich zu seinem Verhalten nach dem Zweiten Weltkrieg. Noch 1983 nannte Theodor Eschenburg in einem weithin bekannten Werk über die Jahre der Besatzung die südwestdeutsche Zone schlichtweg eine "Ausbeutungskolonie" der Franzosen.

Die Liste der Vorwürfe ist lang: Danach wurde Südwestdeutschland im April und Mai 1945 von einer vergewaltigenden französischen Soldateska überzogen

die Alltagsnöte, besonders die Hungerjahre, begannen erst mit der Besetzung und hielten fast bis zur Gründung der Bundesrepublik an

der Schwarzwald war noch jahrzehntelang von den "Franzosenhieben", den gewaltigen Holzeinschlägen, gezeichnet

die überbordenden Requisitionen grenzten an Ausplünderungen, und die Demontagewut der Besatzungsmacht spottete jeder Beschreibung

französische Soldaten tyrannisierten die Bevölkerung, von Befreiung und Demokratisierung war nichts, von neuer Militärdiktatur hingegen viel zu spüren. Nach außen schotteten die Besatzer ihre Zone hermetisch ab, und nach innen isolierten sie die Regionen voneinander. Dies korrespondierte trefflich mit den ihnen unterstellten Ideen darüber, dass es keinen deutschen Nationalstaat mehr geben dürfe: Zerschlagung Preußens, Annexionen im Westen, Zerstückelung der Region, kurzum: eine "Balkanisierung" - waren das nicht die allzu bekannten, die klassischen Ziele französischer Hegemonialpolitik?