Unaufhörlich trommelt der Regen auf das Vordach der Kioskbude. Die Schnapsnasen unter den Wohnwagencampern stehen früh um acht bei Bier und Korn zum Morgenstammtisch am Tresen. Zum Glück gibt es aber auch frischen Kaffee und belegte Brötchen. Wir frühstücken unter einer weißen Kunststofflaube und schauen den dicken Tropfen zu, die in den Pfützen konzentrische Kreise malen.

Der Familienvater stöhnt über den gemarterten Rücken und greift sich mit theatralischer Invalidengeste ans Kreuz.

Man soll dankbar sein für ein Kind, das materiellen Begierden abschwört und nur Herzenswünsche äußert. Zum Geburtstag wollte die Tochter nichts anderes geschenkt haben als eine Nacht im Zelt mit den Eltern draußen vor der großen Stadt Frankfurt. Mutter malt einen schönen Gutschein, Vater hofft, dass die Sache in Vergessenheit gerät.

Weit gefehlt! Spätestens als der Erdkundelehrer die bevorstehende Unterrichtseinheit über den Vogelsberg ankündigt, wird das Anliegen akut.

Denn der Mann alter Schule weiß sachkundig eingebrachtes Heimatkundewissen zu schätzen, und weder Baedeker noch Lexikon geben Substanzielles über das hessische Mittelgebirge preis.

Es dauert eine Weile, bis wir den Sack mit dem alten Baumwollzelt, das Relikt aus Tagen der mütterlichen Pfadfinderzeit, ausgegraben haben. Lili, 11, würde gern auch das zerbeulte Kochgeschirr und den Gaskocher einpacken. Doch das scheitert am Einspruch des Familienvorstands. Schlafsäcke und Isomatten werden bei Freunden zusammengeliehen, und für den anspruchsvollen Vater wird extra eine dünne Schaumstoffmatratze gefaltet hinter den Fahrersitz geklemmt.

Kalt sollen die Nächte werden, also legen wir noch ein paar Decken dazu.