Wenn ein Mensch von allen Seiten immer nur gelobt wird, und das in den höchsten Tönen, wenn dieser Mensch von politischen, ökonomischen, kulturellen und wissenschaftlichen Gremien geradezu angesogen wird, dann tritt der kritische Geist erst mal einen Schritt zurück und wittert Übertreibung.

Was ist das für ein Mann, dieser Berthold Leibinger, der in der CDU ebenso gut ankommt wie in der SPD, wie in der IG Metall? Tut Jürgen Offenbach, der Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten, des Guten nicht zu viel, wenn er diesem Mann ins Stammbuch schreibt, sein Name sei: Vorzeigeschwabe, baden-württembergischer Vorzeigeunternehmer par excellence, Leitfigur des industriellen Mittelstands, schwäbischer Stammesstolz?

Gleich zu Beginn sei eingestanden: Auch wer nicht dazu neigt, blumige Epitheta zu verstreuen, hat es schwer, sich von Berhold Leibinger nicht einfangen zu lassen. Zu intensiv ist das Gespräch mit dem Mann, der, wenngleich ein Unternehmer, weniger in Zahlen denkt und spricht als in Kategorien, dem sein Tellerrand nicht nur kein Hindernis ist, sondern ein Ausguck auf das Leben ringsherum. Und der sich einmischt, überall da.

Warum er das tut? Eine erste Legitimation liefert der schiere Erfolg.

Berthold Leibinger hat aus einem kleinen schwäbischen Krauter einen weltweit führenden Hersteller von Werkzeugmaschinen für Blechbearbeitung und, seit Neuerem, von Laseranlagen für Materialbearbeitung gemacht. Aus einer Firma mit 11 Millionen Mark Umsatz und 325 Mitarbeitern eine Gruppe mit 1,7 Milliarden Mark Umsatz und über 4500 Leuten. Er führt 26 Töchter und Beteiligungsgesellschaften in 19 Ländern. Zweieinhalb Jahre als Entwicklungsingenieur bei einem amerikanischen Konkurrenten haben den fast 70-Jährigen ebenso geprägt wie inzwischen mehr als hundert Geschäftsreisen nach Asien. Leibinger war einer der ersten deutschen Unternehmer, die sich mit Japan in Japan auseinandergesetzt haben.

Nur, über all dies spricht der Mann eigentlich gar nicht, man muss es sich zusammensuchen. Er erzählt lieber von den "zwei Adern", die er geerbt habe - eine für Technik und Industrie, die andere für die Kunst. Er philosophiert über Neugier, Interesse und die Notwendigkeit der Fantasie. Sagt: "Querverbindungen interessieren mich." Und er redet von der Kultur als einer "Welt, in der wir uns gern bewegen. Da haben wir unsere Freunde und Begegnungen. Vielleicht mehr als auf der wirtschaftlichen Seite."

Wir, das ist bei Berthold Leibinger vor allem: die Familie. Vor wenigen Wochen erst war in Stuttgart etwas zu besichtigen, das viele der Antriebe Leibingers beinahe symbolisch offen legte - seine Neigung zur Kunst, die Bereitschaft des erfolgreichen Unternehmers, dafür auch finanziell einzustehen, und, nicht zuletzt, die familiäre Basis: Das Völkerkundemuseum der Stadt, das Linden-Museum, präsentierte mit Unterstützung der Leibinger-Stiftung Netsuke, Gürtelschmuck aus Japan. Die Sammlung Trumpf".