Im Kleinkrieg um die Hauptstadtkulturförderung soll nun ein anderer Stil herrschen: Jetzt gelten "Partnerschaft", "konstruktiver Dialog", Umarmung.

Die Mondscheindebatte am vergangenen Donnerstag im Bundestag zeigte neue Formeln und alte Gereiztheiten: Kulturföderalismus und nationale Repräsentation müssten vereinbar sein. Berlin, insbesondere in der Gestalt von Eberhard Diepgen, ist nach wie vor versetzungsgefährdet: Die "Quengelei der lokalen Szene" (Norbert Lammert) wurde rituell gescholten. Christoph Stölzl, der neue Kultursenator, dankte wiederum "ohne Wenn und Aber" für die "Liebe" des Bundes zu Berlin seit 1949. Staatsminister Michael Naumanns Esprit leuchtete über Berliner Banausentum. Er lobte sein Engagement, stellte noch einmal die Liste der vom Bund geförderten Kultur vor und verkündete den Beginn einer wunderbaren Freunschaft mit Stölzl. "Sisyphus" nannte er ihn liebevoll, wünschte ihm Glück und Berlin einen "Masterplan der kulturpolitischen Architektur" - eine Sisyphusaufgabe! Die Haushaltsfakten drohten im Hintergrund: Stölzl fehlen 29 Millionen, die Förderung durch den Bund wird nicht reichen. Wen interessiert da noch die historische Dimension des Problems. Stölzl hatte nur drei Minuten, um es zu erwähnen. So rief der Exmünchner hastig: "Berlin leuchtet!"