In Großbritannien schlägt das Imperium zurück: indische Kinofilme erobern die britischen Leinwände. Der Kinomulti Warner Village will in seinem neuen Riesenkino in Birmingham von Juli an bis zu 20 Prozent der Leinwände ausschließlich Produktionen aus "Bollywood" widmen - der blühenden Kinoszene aus Bombay und Madras. Bisher waren indische Filme auf der Insel nur gelegentlich oder in speziellen Kinos für Einwanderer zu sehen. Doch das wird dem florierenden Bollywood längst nicht mehr gerecht. Die Branche stellt im Jahr 900 Filme her, beschäftigt 2,3 Millionen Menschen - und hat unter den indischen Einwanderern in Großbritannien ihre wichtigste Übersee-Fangemeinde.

Zwar mag das Genre gewöhnungsbedürftig sein - häufig sind es Melodramen um störrische Patriarchen, romantische Liebhaber und intrigante Hausfrauen, die alle zehn Minuten ein gemeinsames Lied singen. Doch ein Geschäft ist die Sache allemal. Die Londoner Firma B4U (Bollywood for You) liefert dem Publikum in Europa und Amerika bereits Hindi-Movies per Satellit und investiert seit einiger Zeit massiv in neue Produktionen auf dem Subkontinent. Eine leidenschaftliche Fangemeinde in aller Welt ernährt Website-Betreiber (www.Rikshawala.com), Poster- und Souvenirverkäufer, und sie kauft Aktien von Film-Startups aus Bombay. Bollywood hat die Globalisierung entdeckt: Marktanalysten schätzen, dass sich der Markt für indische Filme in den kommenden Jahren mindestens verfünffachen könnte. Die Regisseure filmen übrigens gern im Ausland, etwa in Malaysia, Österreich, der Schweiz und auf Mauritius. Der neueste Trend ist allerdings, in Großbritannien und Schottland zu drehen - des exotischen Flairs wegen.