Argumentativ haben sich die EU-Regierungen fürchterlich verstrickt.

Gleichzeitig finden diese Regierungen nichts dabei, dem Nato-Mitglied Türkei den Kandidatenstatus für Europa zuzusprechen. Unser deutscher Außenminister absolviert hier sogar Staatsbesuche.

Dabei hätte nach dem Kosovo-Krieg die einzige Konsequenz der Ausschluss der Türkei aus der Nato - wegen einer ähnlichen Minderheitenpolitik - sein müssen, wenn die hohen ethischen Standards, die in diesem Konflikt von den meisten europäischen Regierungen verkündet wurden, ernst gemeint waren.

Welche Anmaßung und Zerfallserscheinungen dabei in Europa selbst auftreten, zeigt am deutlichsten Belgien. Seine Regierung hat es bis heute nicht geschafft, die Hintermänner des unglaublichen Kindermörderskandals um den Mörder Dutroux aufzudecken. Statt daran zu arbeiten, heften sich die belgischen Abgeordneten im Parlament Judensterne an, um so ihre angeblich hohe moralische Kompetenz gegenüber Österreich zu demonstrieren.

Auch die Aussagen des französischen Staatspräsident Chirac zu Österreich sind lächerlich, wenn man bedenkt, wie er vor drei Jahren trotz weltweiter Proteste seine Atombombentests im Südpazifik auf "Kolonialherrenart" durchzog.

Das Wissen um die eigene Vergangenheit - hier die deutschösterreichische Schuld während der Nazizeit an den europäischen Juden und Nachbarländern - sollte uns in der aktuellen politischen Diskussion begleiten. Daran muss auch die österreichische Regierung gemessen werden. Es kann jedoch nicht so weit gehen, dass man damit die aktuellen Herausforderungen und die neuere Geschichte verdrängt.

Otto Baronky Schöffau