Können sich Schafe wundern? Wenn ja, dann werden diese beiden gleich ungläubig den Kopf schütteln. Sie haben schon viel gesehen von ihrer Wiese aus: ratternde Traktoren und vorbeisausende Motorräder, Radfahrer und ungezählte Mietwagen auf dem Weg nach Felanitx. Aber wahrscheinlich noch nie so eine seltsame Gestalt wie mich. Die einen schwarzen Helm trägt, bunte Stiefel und die in gebeugter Körperhaltung an ihnen vorbeirollt.

Ich gleite auf meinen Inlineskates über Mallorcas Straßen, genieße die laue Luft und die Frühlingslandschaft, und ich habe mich schnell an die erstaunten Blicke gewöhnt - von Menschen und Schafen. Denn im Inselinneren sind zwar viele Radfahrer unterwegs, viele Wanderer und Urlauber im Mietwagen. Aber Touristen auf acht Rollen sind hier echte Exoten. Ab und zu trifft man in den Städten ein paar mallorquinische Kinder, die auf Skates über Kopfsteinpflaster hoppeln. Mehr nicht. Und das, obwohl die Insel ein prima Reiseziel ist für alle Fans der modernen Variante des Rollschuhlaufens. Nur scheint das fast niemand zu wissen.

Ob durch einsame Dörfchen auf dem Land oder an der Strandpromenade der Hauptstadt Palma: Mallorca hat, wovon Fitness-Skater schwärmen. Traumhafte Routen, 10 bis 20 Kilometer lang. Man muss sie bloß finden. Das ist leichter geworden, seit der Klartext-Verlag den Inline-Guide Mallorca/Ibiza herausgegeben hat. In dem schmalen Buch sind 13 Touren auf Mallorca detailliert beschrieben, außerdem sieben Strecken auf Ibiza.

Auch wenn der Inline-Guide unterscheidet zwischen Touren für Anfänger und Fortgeschrittene - ohne solide Grundkenntnisse sollte keiner einfach losrollen. Erst recht nicht ohne eine ordentliche Bremstechnik. Die ist nötig, auch wenn der Weg noch so flach ist. Zum Beispiel auf der Strandpromenade von Palma, wo sich Skater zwar über glatten Belag freuen können, aber auch mal ganz schnell stoppen müssen. Damit sie nicht mit Joggern, Spaziergängern oder Palmen zusammenstoßen.

Farben, Geräusche und Gerüche sammeln

Tour Nr. 10, durch die Bucht von Palma zum Hafen, 16 Kilometer, ist im Führer als locker zu fahren angekündigt. Stimmt, solange nicht halb Palma hier flaniert. Heute spazieren nur ein paar Rentner vorbei. Also: einfach gleiten und genießen. Den Ausblick auf den Yachthafen, wo Tausende weißer Segelmasten unterm tiefblauem Himmel schaukeln. Die Brise, die nach Salz schmeckt. Das Meeresrauschen, die weiße Gischt. Das türkisgrüne Wasser. Die Flugzeuge, die am Horizont scheinbar lautlos in den Himmel stechen. Und dort hinten, an dem gedrungenen Baum, die Orangen im dunkelgrünen Laub ...

Klar kann man das alles auch beim Spazierengehen erleben oder vom Auto oder Fahrrad aus. Aber Skaten im Genießertempo hat einen großen Vorteil: Die Geschwindigkeit ist flott genug, um eine Menge neuer Eindrücke zu sammeln.