Für Beobachter der Wall Street war die Nachricht ein Schock: George Soros zieht sich aus dem Geschäft mit Hedgefonds, diesen besonders spekulativen Fonds, zurück. Der enorm erfolgreiche Milliardär, der von Konkurrenten und politischen Machthabern beneidet, gefürchtet oder geschmäht wird, hat in jüngster Zeit Riesenverluste gemacht. Von nun an will Soros nur noch auf konservative Art und Weise Geld verwalten. Keine großen Wetten mehr auf Währungen, Zinsen oder Aktien. Das ist, als ob Michael Schumacher angekündigt hätte, künftig in einem VW Golf Rennen zu fahren: einfach unglaublich.

Diese Bombe platzte nur ein paar Tage nachdem Julian Robertson, ein anderer Großmeister der Spekulationsfonds, seinen berühmten Tiger Fund aufgegeben hatte. Der einst mächtige Fonds glich zum Schluss eher einem Schoßhund als einer Raubkatze. Viele andere sind ebenfalls von der Bildfläche verschwunden: die Fonds des gefürchteten Michael Steinhart und, die Mutter aller Hedgefonds-Debakel, der Long Term Capital Management Fonds, kurz LTCM.

Das geistige Kind von John Merriwether und einer Truppe von Nobelpreisträgern hatte schon im September 1998 durch seinen Beinahkollaps für Schlagzeilen gesorgt. All das scheint einen echten Paradigmenwechsel zu signalisieren - oder zumindest den Wechsel zu einer jüngeren Generation von Finanzpistoleros.

Was heißt das für die Märkte? Die meisten Wissenschaftler - und die weniger erfolgreichen Investmentmanager - werden behaupten, es ändere sich nichts.

Sie glauben, die Finanzmärkte seien so perfekt, dass kein Investor, ganz gleich wie viel Kapital er kontrolliert, allein die Richtung der Märkte bestimmen könne. Einige Finanzminister und Zentralbanker dagegen werden sich wahrscheinlich freuen, die Oberspekulanten endlich los zu sein. Dadurch, so glauben sie, werden Aktienkurse und Währungen in Zukunft weniger stark schwanken. Den Finanzmärkten werde es besser gehen.

Ich behaupte eher das Gegenteil. Ich glaube, die Märkte brauchen Leute wie Soros und Robertson - und die Risikobereitschaft, für die sie stehen.

Gewöhnliche Sterbliche in Banken und Versicherungen sowie die Finanzdirektoren großer Firmen wurden in den letzten Jahren geradezu verwöhnt. Sie halten die beispiellosen Möglichkeiten, die sie heute haben, um sich gegen finanzielle Risiken abzusichern, inzwischen für selbstverständlich. Nehmen Sie einmal an, Sie wollten sich vor einem weiteren Kursverfall des Euro gegenüber dem US-Dollar schützen. Im Vergleich zu früher können Sie Ihr Risiko heute viel einfacher und billiger am Terminmarkt für Währungen oder durch Optionsgeschäfte begrenzen.