Einer der beiden großartigen Regisseure, die der Iran hat und die er eigentlich schützen müsste, hat zuletzt in einem Land nebenan gedreht. Da, wo eine Frau sich kein schwarzes Etwas überwirft, wenn es an der Tür klopft, wo stattdessen ein Mädchen sich durch Kirschen an den Ohren, durch Blütenblätter auf allen zehn Fingernägeln und jene alten, unsterblichen Gesten in eine orientalische Tänzerin verwandelt. Mohsen Makhmalbaf, der Iraner, hat in Tadschikistan gedreht. In seinem Film rufen, wenn man so will, die Kirschen zum Ungehorsam auf. Es geht um die eine, große Freiheit - ganz ohne Revolution. Der Film heißt Die Stille und folgt einem blinden Jungen. Der Junge hat die Augen immer lose geschlossen und seine Hände vor dem Körper aufgestellt. Wie ein Weiser. Er schlurft in Gummilatschen und einer Trainingshose herum, ihn ziehen Armut und Pflicht, und ihn lockt die Neigung.

Schöne Laute und schöne Musik bringen ihn vom Weg ab. Makhmalbafs eigene Großmutter hatte ihn gescholten, wenn er Musik nur hörte. Unser Junge hier hört alles. Den Bus, die Sorgen der Mutter, das böse Klopfen an der Tür. Und einmal kurz Beethoven! Bamm-bammbamm-baaa! Ansonsten: Haus, Fluss, Markt, Granatäpfel. Hinter und in diesen elementaren Dingen verbergen sich die Wasserzeichen der Poesie. Die Stille senkt sich ungeahnt in einen hinein. Das ist wie Staub schlucken, wie Brot essen oder eben wie Kirschen kosten.