Manila

Es klang nach Gastfreundschaft. "Sie gaben uns immer zuerst zu essen", sagte Patrick Viray, "und sie wünschten uns viel Glück, bevor sich unsere Wege trennten." Eine Gruppe der Organisation Abu Sayyaf unter dem Kommando des "Commander Robot", der die Entführung der 21 europäischen Touristen von der Insel Sipadan leitete, hatte auch Viray gefangen genommen. Das war am 5.

Februar. Am 7. Mai kam er frei. Wie viel wurde für seine Freilassung gezahlt?

Eine Zahl nennt Viray nicht. Abu Sayyaf wurden, so ist zu erfahren, lediglich die Aufwendungen für "Kost und Logis" erstattet. "So wie das üblich ist."

In Manila, nur ein paar Flugstunden entfernt, schätzen Geschäftsleute, die sich mit der Kidnappingbranche in der Südsee auskennen, dass ein örtlicher Bankangestellter wie Viray ungefähr 10 000 Mark Lösegeld gekostet haben dürfte, wobei ursprünglich vermutlich das Zehnfache verlangt worden sei.

Entführung ist auf den Sulu-Inseln ein alltägliches Gewerbe.

Geschäftsleute sind meistens die Opfer, philippinische, aber auch ausländische aus Malaysia, Singapur und Taiwan. Die gängige Anfangsforderung betrage zurzeit zwei Millionen philippinische Pesos - also rund 100 000 Mark -, am Ende einige man sich dann meistens auf 200 000 Pesos. Viel Geld sei das denn auch wieder nicht, erklärt einer, der ein gewisses Maß an Verständnis für die Entführer aufbringt. Jeder aus der Entführergruppe sei immerhin bereit, sein Leben zu geben, und werde dafür mit umgerechnet gerade einmal 1000 Mark beteiligt. Dann sind noch die Boten zu bezahlen, die den Kontakt mit den Vermittlern halten. Und die Vermittler selber wollen natürlich auch für ihre Dienste entschädigt werden.