Die Zeit: Sie helfen Ihrer Mutter bei der Führung des zweitgrößten Hotels in Oberammergau. Ist denn während der Passionsspiele vom kommenden Sonntag an noch Platz in Ihrer Herberge?

Claudia Hans: Nein, wir sind bis Oktober komplett ausgebucht. Wir werden in dieser Zeit ausschließlich amerikanische und britische Gäste haben. Die Verteilung der Quartiere übernimmt während der Passionsspiele die Gemeinde, und sie hat auch in Absprache mit den Hoteliers vorher die Zimmerpreise exakt festgelegt.

Zeit: Das klingt ja nach urchristlicher Gemeinschaft oder auch nach Planwirtschaft. Müssen Sie sich daran beteiligen?

Hans: Andernfalls hätten wir unseren Gästen keine Eintrittskarten zu den Passionsspielen anbieten können.

Zeit: Ein Monate lang ausgebuchtes Haus muss doch der Traum jedes Hoteliers sein.

Hans: Diese Zeit erhöht unseren Bekanntheitsgrad. Wir haben unser Personal um ein Drittel auf 40 Leute aufgestockt. Das ist gar nicht so einfach. Es gibt zum Beispiel nur noch wenige Deutsche, die in der Küche arbeiten wollen. Das zusätzliche Personal haben wir im Ausland suchen müssen.

Zeit: Ihr Familienbetrieb hat schon lange Erfahrung mit Besuchern der Passionsspiele. Ist das eine besonders fromme Klientel?