Schon in ihrem Koalitionsvertrag vom Oktober 1998 haben Sozialdemokraten und Grüne versprochen, eine "nationale Nachhaltigkeitsstrategie mit konkreten Zielen" zu erarbeiten. Danach wurde es um das Vorhaben ruhig - so ruhig, dass das Parlament bereits unruhig wurde. Auf Initiative des Umweltausschusses machten die Abgeordneten des Bundestages im Januar schließlich Druck. In einem einstimmig verabschiedeten Beschluss plädierten sie für eine "Offensive zur Nachhaltigkeit", die "alle Bereiche des Lebens und Wirtschaftens" umfassen müsse. Im Einzelnen fordern die Parlamentarier die Regierung auf, einen "Rat für nachhaltige Entwicklung" einzusetzen, eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie zu erarbeiten und das Nachhaltigkeitsprinzip auch institutionell in ihrer Politik zu verankern - das alles möglichst "zügig".

Die Bundesregierung hat sich daraufhin geeinigt, einen Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung einzurichten, unter Federführung des Kanzleramtes. Dem neuen Gremium, intern bereits green cabinet genannt, gehören Vertreter von mindestens neun Ressorts an (Umwelt, Wirtschaft, Finanzen, Verkehr und Bauen, Arbeit, Landwirtschaft, Forschung, Gesundheit und Entwicklungspolitik). Die Runde soll die Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln, die Kanzler Gerhard Schröder - will er eine internationale Blamage vermeiden - spätestens in zwei Jahren bei der Uno abliefern muss. Im Sommer 2002 treffen sich die Staats- und Regierungschefs zu einer UN-Sondergeneralversammlung, um zehn Jahre nach dem Erdgipfel von Rio de Janeiro Bilanz zu ziehen.

Das green cabinet soll darüber hinaus für die Umsetzung konkreter Projekte sorgen. Wegen der fortgeschrittenen Zeit will man sich auf wenige Vorhaben beschränken. Dazu gehören die Themenkreise "Klimaschutz und Energiepolitik" sowie "Umweltschonende Mobilität"

möglicherweise aber auch nachhaltige Landwirtschaft. Ein aus maximal fünfzehn Personen bestehender Rat für nachhaltige Entwicklung soll die Bundesregierung beraten und der Nachhaltigkeitsdebatte öffentliche Resonanz verschaffen. Die Mitglieder dieses neuen Gremiums, einer britischen royal commission nachempfunden, will Bundeskanzler Schröder höchstpersönlich berufen. Geschäftsstelle für den Rat soll das Wissenschaftszentrum Berlin sein.