G. Meuter/H. R. Otten (Hrsg.): Der Aufstand gegen den Bürger.

Antibürgerliches Denken im 20. Jahrhundert Königshausen & Neumann, Würzburg 1999 311 S., 58,- DM Im 20. Jahrhundert waren fast alle gegen den Bürger, der Wandervogel und die Achtundsechziger, der Faschismus und der Kommunismus am Ende aber sollen die liberale Welt und ihre Marktökonomie allein übrig geblieben sein. Wer diesem Paradox nicht traut, findet eine vorzügliche Handreichung in einem Sammelband, der vor allem die Positionen einer nichtmarxistischen Kritik am Bürgertum untersucht. Lebensphilosophische, existenzialistische, konservative, katholische und kulturkritische Argumente vor allem aus der deutschen und französischen Tradition zeigen einen mulmigen Unterstrom des Leidens an der Moderne. Seit dem Ende des Kalten Krieges haben sich Konservatismus und Liberalismus, befreit vom gemeinsamen Feind, wieder getrennt. Kritik am Bürgertum von der Rechten hat wieder Zukunft. Klug ist es, darauf vorbereitet zu sein.

Henning Ritter: Die Fassaden am East River ES 2158, Suhrkamp, Frankfurt a.

M. 2000 96 S., 16,90 DM Überraschungslosigkeit in der Abwechslung ist, so lautet die Diagnose dieses Bandes, das gemeinsame Merkmal von avantgardistischer Kunst und Massenkultur heute. Alles ist durchgespielt, nur das Spiel selbst fesselt noch, die Kunst ist restlos angepasst, lebt aber von Auffälligkeitswerten, die der Markt erzwingt. Henning Ritters glanzvolles Resümee vieler Abschiede von der Moderne bezieht sich auf Tocqueville und Gehlen und erprobt den Rückblick auf die klassische Avantgarde anhand von Max Ernst und Freud. Ein Band mit zahllosen ideengeschichtlichen Entdeckungen, bestens geeignet für den Chill-out zwischen den Vernissagen.