Eigentlich ist es ganz klar: Wenn in den Vereinigten Staaten die Zinsen weiter steigen, wird es für die Kapitalisten dieser Welt noch attraktiver, ihr Geld in den USA anzulegen. Deshalb kaufen sie Dollar, und wegen der höheren Nachfrage steigt auch der Dollarkurs. Spiegelbildlich sieht es für den Euro düster aus: Weil die Zinsdifferenz zu Amerika noch größer geworden ist, verlieren die Geldanlagen in Euroland noch mehr Reiz, der Euro gerät im Verhältnis zum Dollar noch stärker unter Druck.

Doch so simpel, wie es auf den ersten Blick scheint, funktioniert die Ökonomie nicht. Die amerikanische Notenbank hat die Zinsen ja aus gutem Grund jetzt schon zum sechsten Mal in Folge erhöht, und dieses Mal sogar besonders kräftig. Alan Greenspan und seine Mitstreiter wollen Druck aus der mit Volldampf arbeitenden US-Wirtschaft herausholen, um eine inflationstreibende Überhitzung zu vermeiden. Es könnte durchaus sein, dass mit der Zinserhöhung jetzt tatsächlich die erhoffte "weiche Landung" der amerikanischen Wirtschaft eingeleitet wird.

Das würde bedeuten, dass sich - nicht sofort, aber mittelfristig - die Wachstumsraten jenseits und diesseits des Atlantiks angleichen: die amerikanische von oben, die europäische von unten. Für den Kurs des Euro gegenüber dem Dollar hätte das jedoch die Konsequenz, dass er auf mittlere Sicht gerade nicht sinkt, sondern steigt. Voraussetzung ist, dass die Europäische Zentralbank nicht den Fehler wiederholt, mit einer eigenen Zinserhöhung nachzuziehen. Denn anders als in den USA ist die Konjunktur hierzulande von einem Überschäumen noch meilenweit entfernt - leider.