Vier Generationen der Familie Menne wohnen unter einem Dach. Die Arbeitsweise der Jüngeren ist hochmodern und flexibel. Doch an den Wertvorstellungen ihrer Eltern halten sie fest

Nieheim

Der Stall ist leer. Als Thomas Menne ein kleiner Junge war, gab es hier "noch alles, was dazugehört: 20 Kühe und 80 Schweine, ein paar Pferde, Hühner, Hunde und Katzen. Das Kleinvieh ist längst abgeschafft, die Sauen sind geschlachtet, und die Hühner wichen der Spezialisierung. Der Hof Menne im ostwestfälischen Nieheim hat sich dem landwirtschaftlichen Imperativ "Wachsen oder weichen" gefügt und, so sagt es Bauer Menne, einen modernen Milchviehbetrieb "in überlebensfähiger Größenordnung" aufgebaut.

Der Familiensitz liegt am Ortsende von Nieheim, gleich hinter dem alten Krankenhaus, da, wo die Felder beginnen, die sich über sanfte Hügel hinweg bis zu den Kuhweiden am Jesuiterbach ziehen. Gegenüber zweigt die Straße nach Pömbsen ab, dem kleinen Dorf ganz oben auf dem Berg, "wo die Erde den Himmel berührt", wie die Kinder hier lernen. Es ist ein schöner Hof mit Gebäuden aus rotem Ziegelstein, die Uförmig um einen ordentlich gefegten Hofplatz liegen.

Die über zweihundert "Vieheinheiten" des neuen Großbetriebes Menne-Peine GbR haben hier keinen Platz. Sie stehen außerhalb im neu gebauten Boxenlaufstall und tragen Computerchips am Hals. Kraftfutter rieselt automatisch aus Silos in ihre Krippen, und ferngesteuerte Stahlschaufeln schieben rund um die Uhr den Kuhdung über den Betonboden bis in den Gülleschacht. Stroh gibt es nicht, aber eine Weide "zum Spazierengehen".

Thomas Menne hat erst einen Hof dazugepachtet und sich dann mit dem Nachbarlandwirt Gerd Peine zusammengeschlossen. Zu zweit bewirtschaften sie 140 Hektar Land, eine Fläche, die früher vier bis fünf Großfamilien mit Mägden und Knechten ernährt hat. "Wir kooperieren, liegen also im Zuge der Globalisierung voll im Trend und sind weiterhin auf Wachstumskurs", sagt Thomas Menne. Das Ziel für die nächsten Jahre sind 150 Kühe "mit entsprechendem Jungvieh hintendran".

Die Kultur des flexiblen Kapitalismus auf dem Dorf