Duschen, Geschirrspülen und der Griff zur Klospülung werden für die Einwohner der westfälischen Stadt Herford bald etwas billiger. Amerika sei Dank. Mit knapp sechs Millionen Mark subventioniert der amerikanische Staat die Abwasserreinigung in der örtlichen Kläranlage. Allerdings nicht ganz freiwillig: Das Geld sollte ursprünglich US-Unternehmen eine riskante Investition im Ausland schmackhaft machen - und nicht einer deutschen Stadt bei der Senkung ihrer Abwassergebühren helfen. Den Einwohnern Herfords kann das egal sein.

Möglich wurde das gute Geschäft durch eine Lücke im amerikanischen Steuerrecht. Um an die Millionen zu kommen, schloss der Herforder Stadtrat im Juli vergangenen Jahres einen Vertrag mit einem amerikanisches Bankenkonsortium: Das Herforder Klärwerk wurde vermietet und sofort wieder zurückgemietet - ein Vorgang, der nur auf dem Papier stattfand. Gewolltes Ergebnis der juristischen Feinarbeit: Praktisch ändert sich gar nichts. Die Kläranlage säubert nach wie vor ausschließlich westfälisches Abwasser, die Betreiber aber bekommen nun Geld vom amerikanischen Fiskus.

Nach US-Recht gilt diese Form des Leasings als riskante Auslandsinvestition, die Mietkosten kann der amerikanische Investor steuerlich geltend machen. Und das gesparte Geld teilt er mit seinem deutschen Leasingpartner. Ein Riesengeschäft für die deutsche Seite, weil ihr Anteil schon zu Beginn der Mietzeit ausgezahlt wird. So verbuchte Herford bereits einen Tag nach Vertragsabschluss den Eingang von 5,8 Millionen Mark.

Der Staat mache genau dasselbe, was er den Steuerzahlern ständig vorwirft, ärgert sich Dieter Lau, der Vizepräsident des Bundes der Steuerzahler. "Wenn Privatleute ihre Steuerlast durch das Ausnutzen von Schlupflöchern mindern, werden sie von Politikern dafür an den Pranger gestellt." Für Kurt Kuhn, Geschäftsführer der Herforder Betreibergesellschaft, sind diese Schlupflöcher "schlichtweg legal, denn schließlich hat der Fiskus in Amerika sie ja selbst geschaffen". Mit dieser Ansicht steht Kuhn nicht allein. US-Banken, deutsche Kommunen, Wirtschaftsberater und Anwälte sehen das ähnlich - sie alle verdienen ja an dem Modell, mit dem sich die amerikanische Steuerkuh ausgezeichnet melken lässt. Der Leasingvertrag über die Herforder Kläranlage sei der deal of the year gewesen, jubeln die Mitarbeiter von Due Finance. Die Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft aus Düsseldorf hat sich auf die so genannten U.S. Leases spezialisiert und Herford bei dem lukrativen Geschäft beraten.

Die Stadt Leipzig will sogar das Gewandhaus verleasen

Bei anderen Projekten ging es um noch mehr Geld. Die Stadt Düsseldorf hat sich mit Hilfe von Due Finance die Klärwerke Nord und Süd sowie einige Abwasserkanäle vergolden lassen. Rund 40 Millionen Mark flossen so in den Stadtsäckel allein für die Tatsache, dass die Abwasserreinigung kreuz und quer über den großen Teich vermietet wurde. "Ein ordentlicher Betrag", gibt sich Due-Finance-Geschäftsführer Ulrich Eder bescheiden. Bis zu acht Prozent Gewinn, gemessen am Wert der Anlage, seien immer machbar.

Dabei hätte die amerikanische Steuerverwaltung das Schlupfloch vor einem Jahr schon fast gestopft. Durch eine Rechtsänderung erschwerten Uncle Sams Finanzhüter das Cross-Border-Leasing, den Vorgänger der nun praktizierten Modelle. Völlig aus der Mode gekommen sind seitdem Leasingkontrakte über Straßen- und U-Bahnen. Seit Mitte der neunziger Jahre hatten sich mehr als ein halbes Dutzend deutscher Städte ihren Nahverkehrsfuhrpark vom amerikanischen Staat subventionieren lassen. Kassel sackte knapp 8 Millionen Mark ein, Köln rund 25 Millionen und Düsseldorf satte 35 Millionen.