Die Spieler wissen, dass der Trainer alle Macht in der Kabine hat", wird Josep Lluis Núñez gern zitiert. "Und der ganze Klub weiß, dass es einen Präsidenten gibt, der alle Macht im Klub hat." Doch nun will der Präsident die Macht nicht mehr. Josep Lluøs Núñez, seit 22 Jahren Chef des FC Barcelona, wird seinen Posten im Juli verlassen. Damit es jeder glaubt, wird er ab sofort seinen Platz auf der Ehrentribüne im Stadion Camp Nou verwaist lassen. Was ist der FC Barcelona? Ein Fußballverein, dessen Kicker es in dieser Saison immerhin bis ins Halbfinale der Champions League brachten. Ein Klub mit mehr als 100 000 Mitgliedern, darunter der Papst. Ein Herzensding für die Zuwanderer aus anderen Teilen Spaniens und die Standarte des Katalanismus.

Doch "Barça" ist auch ein Wirtschaftsbetrieb: Allein 390 Millionen Euro kassierte der Klub vom Pay-TV-Sender Va Digital dafür, dass dieser in den kommenden fünf Jahren die Heimspiele übertragen darf. Núñez verwaltet Jahreshaushalte von 90 Millionen Euro und verspricht für die gerade ablaufende Saison 24 Millionen Euro Gewinn. Und bis heute kann der Klub es sich leisten, auf einen lukrativen Trikotsponsor zu verzichten. Aber der FC Barcelona ist auch ein Klüngel. Núñez war länger an der Macht als Regionalpräsident Jordi Pujol, und der ist schon ein Dinosaurier. Jetzt geht der Klubpräsident, weil die Fans ihn nicht mehr mögen und weil ihn auch Pujol wahrscheinlich nie gemocht hat. Barça aber wird das nichts anhaben. Während seines letzten Rom-Besuchs nahm Núñez dem Papst das Versprechen ab, den Club in seine Gebete aufzunehmen.