Über die Vergangenheit redet Milkan aus Belgrad nicht gern. Man hat mich verspottet, belästigt, angespuckt, sagt er, dabei war ich nur der Überbringer der schlechten Botschaft. Jahrelang war es Milkans Job, jungen Männern den Einberufungsbefehl der jugoslawischen Armee auszuhändigen.

Persönlich suchte er die Wehrpflichtigen auf, um sie in den Krieg zu schicken: 1991 gegen Kroatien, ab 1992 gegen Bosnien, 1999 gegen die Nato.

Erst die Kämpfe im Kosovo, so der 38-Jährige, hätten ihm die Augen geöffnet: Serbien liegt am Boden, aber Milosevic und seiner Mafia geht es blendend.

Womöglich schlage der Potentat von Belgrad schon bald gegen Montenegro los ...

Sein Leben lang hat Milkan stets getan, was man von ihm forderte. Doch als er vor ein paar Wochen selbst einen Einberufungsbefehl erhielt, wollte er nicht mehr mitmachen und floh.

Schuldgefühle? Auf seiner Bank im Flüchtlingslager von Bekescsaba im äußersten Südosten Ungarns schlürft der Deserteur türkischen Kaffee und murmelt etwas Ausweichendes. Er hofft, irgendwie in den Westen zu gelangen er hofft, Zuflucht zu finden bei den Feinden seines Feindes. Denn hatten nicht die westlichen Alliierten über Rundfunk und Flugblätter alle serbischen Soldaten dazu aufgefordert, Einheit und Kriegsgerät zu verlassen und das Kosovo zu fliehen?

Vor Tibors Haus erschienen die Armee-Kuriere um vier Uhr morgens, mit Hunden.