Sie war die Lieblingstochter ihres Vaters und wollte es immer bleiben. Sie liebte den Papa über alles und schrieb ihm einige hundert Briefe. Als Achtjährige zum Beispiel schrieb sie: Ich bitte Sie, lieber Papa, thuns mich in Ihrer Gnade erhalten, und ich versichere, daß ich mit Ehrfurcht und mit Zärtlichkeit solange ich lebe bin Ihre unterthänigste gehorsamste Tochter ...

Die Dreizehnjährige hatte sich einen Gemüsegarten anlegen lassen und schrieb dem Vater: Ich habe in meinem Garten Fisolen, Erbsen, Gurken, Kohl und Salatt, welches alles sehr schön steht, ich werde auch später Spinat anbauen, um daß, wenn er nachdem er zeitig wird, und daß ich meinen lieben Papa damit aufwarten kann.

Als sie achtzehn war und verheiratet wurde, schrieb sie dem Vater von unterwegs einen langen Brief, fast ohne Punkt und Komma: Liebster Papa! Verzeihen Sie daß ich nicht gleich gestern Ihnen wie es meine Schuldigkeit gewesen wäre schrieb, aber die Reise, welche ein wenig ermüdend und lang war verhinderte mich daran. Durch Fürst Trautmannsdorf finde ich noch eine Gelegenheit wo ich Ihnen noch einmal aufrichtig schreiben kann, und ergreife sie mit Freuden, um Ihnen zu versichern, daß ich beständig an Sie denke und immer denken werde. Gott hat mir die Kraft gegeben auch den letzten empfindlichen Stoß, die Trennung von allen meinen Angehörigen glücklich auszuhalten, auf ihm allein habe ich mein ganzes Vertrauen er wird mir helfen und Muth geben, und ich werde meine Beruhigung in dem Trost finden meine Pflicht gegen Sie, indem ich Ihnen dieses Opfer brachte, gethan zu haben.

Gestern bin ich sehr spät in Ried angekommen, noch immer mit den Gedanken von Ihnen vielleicht auf ewig getrennt zu seyn, beschäftigt. Heute kam ich um zwey Uhr in den französischen Lager in der Barake zu Braunau an, nachdem ich einige Zeit in der österreichischen Barake blieb, verfügte ich mich auf einen Thron in die Neutrale, nachdem die Akten abgelesen wurden küßten mir noch alle meine Leute die Hand in diesem Augenblick wußte ich wirklich nicht was ich machte, ein kalter Schauer überfiel mich, und ich kam so aus aller Fassung, daß der Fürst v. N. zu weinen anfieng. Der Fürst Tr. übergab mich ihm und es wurde mir meine ganze Hofstat aufgeführt, o Gott welcher Unterschied zwischen den französischen und unseren Damen! - Die Königin von Neapel kam mir in anderen Zimmern entgegen ich umarmte sie, und zeigte mich erstaunlich freundlich gegen sie, doch traue ich ihr nicht ganz, ich glaube daß nicht Diensteifer allein die Ursache ihrer Reise war. Sie fuhr mit mir nach Braunau, und hier mußte ich eine zwey Stunden lange Toilette halten, ich versichere Sie, daß ich schon ebenso parfumirt als wie alle andern Fransösinnen bin. Der Kaiser hat mir eine prächtige goldene Toilette geschickt, Geschrieben hat er mir noch nicht, weil ich schon von Ihnen fort mußte, so wünschte ich schon bey ihm zu seyn, viel lieber als mit allen denen Damen zu reisen.

O Gott wie bedaure ich nicht noch die glüclichen Tage bey Ihnen zubringen zu können, itzt lerne ich sie erst erkennen. Ich versichere Sie bester Papa daß ich recht traurig bin und mich noch nicht trösten kann. Ich hoffe Ihr Kathar wird ganz vorüber seyn, täglich schließe ich Sie in meyn Gebet ein. Verzeihen Sie mein schlechtes Gekritzel, ich habe aber so wenige Augenblicke für mich, noch tausendmal küsse ich die Hände und habe die Ehre zu seyn Liebster Papa Ihre unterthänigste gehorsamste Tochter ...

Schon bald nach der Ankunft bei ihrem Angetrauten, der ihr zunächst einmal seine Familie vorstellte, meldete sie ihrem Papa: Seit diesem Augenblick bin ich fast beständig mit ihm und er liebt mich inniglich, ich bin ihm auch sehr erkenntlich und erwiedere herzlich seine Liebe ich finde, daß er sehr gewinnt wenn man ihm näher kennt, er hat etwas einnehmendes und zuvorkommendes, dem man unmöglich widerstehen kann. Ich bin überzeugt, daß ich recht zufrieden mit ihm leben werde.

Und fünf Tage später schrieb sie: Ich kann Ihnen versichern, liebster Papa, daß Ihre Prophezeyung eingetroffen ist, ich bin so glücklich als Sie mir es sagten, daß ich es seyn würde.