Ungefähr zwanzig Minuten lang sagt Maximus kein einziges Wort. Nicht ganz unverständlich, denn zuvor hat der Held von Ridley Scotts Sandalen-Abenteuer Gladiator so einiges durchgemacht: Er hat als General des Römischen Reiches die Barbaren in den nasskalten germanischen Wäldern besiegt, den Tod seines Kaisers Marcus Aurelius (Richard Harris) betrauert und dessen verschlagenem Sohn und Mörder Commodus (Joaquin Phoenix) den Treueschwur verweigert. Die daraufhin von Commodus angeordnete Exekution hat er nur knapp überlebt, danach seine geliebte Familie beerdigen müssen, und zu guter Letzt ist er auch noch als Sklave verschleppt worden, um in fernen Arenen als Gladiator um sein Leben zu kämpfen. Nun steht er da, Maximus, der unbesiegbare Held der Arena, gespielt von Russell Crowe, und schaut stumm und verbittert aus der Arena empor. Er wirft sein Schwert, mit dem er eben noch siegreich gemetzelt hat, angewidert in die blutgierige Menge, bricht sein mahnendes Schweigen und schreit seinen Zuschauern ins Gewissen: "Are you not entertained?!" Um die Wahrheit zu sagen: Nein. Nicht jetzt und auch später nicht recht, als Maximus in Rom zum Gladiatoren-Superstar aufsteigt und schließlich Rache nehmen darf am grundbösen Westentaschen-Nero Commodus. Dazu ist die Geschichte vielleicht zu vorhersehbar und keine Figur stark genug, um etwas abzulenken von Maximus' krudem Passionsweg. Stattdessen gibt es zwar jede Menge aufwändig choreographierte Schaukämpfe, und auch die eine oder andere geschickt vom Leib getrennte Extremität. Aber diese Attraktionen werden von einer derart aufdringlichen Leni-Riefenstahl-Ästhetik flankiert, dass auch sie keine wahre Freude sind. Die Todgeweihten grüßen: Obwohl exakt vierzig Jahre älter, bleibt Stanley Kubricks Klassiker Spartacus dem Gladiator von Ridley Scott in jeder Beziehung überlegen.