Das gilt nun manchmal für Frauen und Männer, es gilt für Frauen untereinander, für Männer desgleichen. Die Zeiten des Singulars sind insofern vorbei. Die neuartige Freiheit, Freundin zu sein, auch Kollegin, Bürgerin ebenfalls, eine Mutter, Gefährtin, ohnehin Nachbarin, und all dies möglichst zugleich und auf Dauer oder eben nacheinander, vorübergehend: Diese Freiheit hält die Trauer um das einzig große Gefühl in Grenzen und ist eine würdige Nachfolgerin der Ratlosigkeit von Márais Altem. Warum sollte eine Freiheit, die nah beim Notwendigen und beim Schönen wohnt, nicht selbst eine verlässliche Freundin sein? Es gibt keine Sicherheit ohne die Wette, es könne sie geben. Es gibt Freunde, Montaigne behält Recht, an deren Stelle kein anderer treten kann. Doch es gibt niemals einen einzigen Freund.

Die Bücher

Jacques Derrida : Politik der Freundschaft Aus dem Französischen übersetzt von Stefan Lorenzer; Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000; 491 S., 88,- DM

Klaus-Dieter Eichler (Hrsg.):Philosophie der Freundschaft Reclam Verlag, Leipzig 1999; 255 S., 24,- DM

Marylin Friedman:Freundschaft und moralisches Wachstum In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 45, 1997, 2, S. 235-248

Harald Lemke:Freundschaft . Ein philosophischer Essay. Primus Verlag, Darmstadt 2000; 220 S., 39,90 DM