Deutschland Immer im Sattel bleibenSeite 3/3
Hexenpunkte. Das nasse Fell der Pferde dampft, und über unseren Köpfen kreisen Bussarde.
Das ist der Moment, wo wir uns zulächeln. Wir Großstädter, die sich in die Natur wagen und im Land der tausend Berge und Täler gelandet sind. Wir haben sie unterschätzt, die Pracht des Rothaargebirges, in unserer Hochnäsigkeit. Die Gebirgskette erhebt sich zwischen den Ballungsräumen des Rhein-Main- und des Ruhrgebiets.
Natürlich bietet der Wanderreitbetrieb auch Touren für geübte Reiter an, sogar für Paare gibt es Offerten. Und wem drei Tage Wald zu wenig sind, für den ist ein Achttageritt rund um den Rothaarkamm sicherlich eine Offenbarung.
Allerdings ist hierfür gute Kondition Bedingung. Und reiterische Erfahrung.
Schließlich werden in den acht Tagen rund 220 Kilometer zurückgelegt. Eine Entfernung, die man besser nicht in Straßenkilometer zurückrechnet, denn die Strecke verläuft querfeldein, in extremen Höhenlagen.
Trotzdem heißt es: 30 bis 35 Kilometer täglich im Sattel sitzen. Dabei gilt es auch noch, eine weitere Einschränkung zu akzeptieren: kein besinnungsloses Galoppieren. Das Wichtigste auf Wanderritten ist eben, Natur zu erleben und wohlbehalten zurückzukehren.
Von solchen Langstrecken sind wir allerdings noch weit entfernt. Aber wir wirken schon ziemlich echt. Der Beweis: Gegen Abend stoßen wir aus dem Unterholz hervor, um hinter einem Wanderweg wieder im Dickicht zu verschwinden. Eine Gruppe Spaziergänger verfolgt uns dabei fassungs- und sprachlos, als seien wir Außerirdische.
Dabei sind wir doch Cowboys. Waschechte Helden. Dass die das nicht gemerkt haben.
- Datum 08.12.2008 - 11:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24/2000
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