Würfeln mit dem HirnSeite 3/3
Einer, der über das neuerliche Ergebnis gar nicht erstaunt ist, sondern sich eher die Hände reibt, ist Walter von Lucadou, ein Psi-Veteran, der in Freiburg die (nur lose mit dem IGPP verbandelte) Parapsychologische Beratungsstelle betreibt. Denn es ist nicht das erste Mal, dass Psi-Phänomene, die man nachgewiesen zu haben glaubte, sich erstaunlich bockig zeigen, wenn sie repliziert werden sollen. Diese Widerspenstigkeit hat sogar einen Namen: Decline-Effekt nennen das die Para-Wissenschaftler. Lucadou hat mit seinem aus der Systemtheorie stammenden "Modell der Pragmatischen Information" einen Ansatz entwickelt, der sogar voraussagt, dass ein Experiment, das einmal funktioniert hat, sich unter identischen Bedingungen nicht wiederholen lässt. Grob gesagt soll die Information, die die Experimentatoren über vorherige Versuche haben, die Korrelation zwischen Beobachter und Zufallsereignis beeinflussen. Allerdings hat Lucadous Ansatz auch eine bittere Konsequenz: Analog zu nichtlokalen Quantenphänomenen können Psi-Phänomene nach seinem Verständnis nicht praktisch genutzt werden, weil sich über den übersinnlichen Kanal keine Information übertragen lässt.
Das Freiburger IGPP wird dieser Tage 50. Der 1991 verstorbene Gründer Hans Bender machte noch Schlagzeilen, indem er in Zahnarztpraxen Poltergeister jagte. Die Nachfolger machen wissenschaftlich saubere Arbeit mit wenig spektakulären Experimenten, die sich immer weiter der Alltagserfahrung entziehen. Der behauptete Einfluss des Geistes auf Zufallsprozesse ist ja aufgrund der winzigen Effektgröße gar nicht mehr direkt wahrnehmbar - er erscheint nur noch in den Zahlenkolonnen der Statistik. Gibt es eine Wechselwirkung zwischen Geist und Kosmos? Und lässt sie sich einfangen mit Experimenten, wie sie das Pear-Labor durchführt? Wenn man vor den zuckenden Linien auf dem Computermonitor sitzt, vor dem Pendel oder vor dem zufällig hin und her flitzenden Stofftier, dann kann man sich kaum der Suggestion entziehen, dass man diese willkürlichen Bewegungen beeinflusst - selbst wenn man nicht dran glaubt. So einfach aber, das zeigen die neuen Daten, lässt sich das Übersinnliche nicht festnageln. "Wir haben dem Kosmos eine Frage gestellt", sagt Pear-Chef Robert Jahn, "und der Kosmos hat nein gesagt."
- Datum 21.06.2000 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 2000
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