Ich habe einen Traum
Jacques Villeneuve, 29, wird dieses Jahr sicher nicht mehr Formel 1-Weltmeister. Sein BAR-Team gibt es erst seit zwei Jahren, das sei, sagt er, ein bisschen so, wie auf den Mars zu fliegen: Alles fängt nochmal von vorne an.
* Fußnote
Man kann wohl sagen, dass ich glücklich bin. Ich habe alles, was ich will. Ich habe ein gutes Leben hier in Monaco. Ich bin mit der Person zusammen, die ich liebe, ich habe meine Arbeit, verdiene mein Geld, ich fahre Ski, wenn ich Ski fahren will. Es gibt nichts, was ich in meinem Leben verändern möchte. Es gibt keinen Moment, an dem ich da sitze und denke: Oh, ich wünsche, dass das und das passiert. Es gibt nichts, wovon ich träumen würde, weil ich meinen Traum lebe. Das macht es schwierig.
Bei mir ist es also so, dass ich nur von Dingen träumen kann, die so unwahrscheinlich sind, dass man sie nicht realisieren kann, die nur in der Vorstellung existieren, Fantasiewelten. Ich habe ein paar Freunde, denen erzähle ich solche Sachen. Wir haben einen Drink zusammen oder ein Abendessen und reden über nichts, und dann sage ich plötzlich, wie wäre es, wenn wir den Mars besiedeln könnten. Das ist ein Traum von mir. Klingt das dumm?
Es gibt dort absolut nichts. Man nimmt ein paar Leute mit, und dann gründet man seine eigene Zivilisation. Ein Abenteuer! Etwas tun, was noch keiner vor mir getan hat, was keiner riskieren würde. Über so was rede ich dann mit meinen Freunden, und alle lachen und schauen mich an, als ob ich ein Idiot wäre. Denn wenn es möglich wäre: Diese Menschen, meine Freunde, würden die Erde nicht verlassen wollen.
Es gibt diese Rollenspiele, die mache ich, seit ich zwölf bin. Dungeons and Dragons ist das älteste davon, mein Lieblingsspiel. Ich hatte damals einiges darüber gelesen, und an meiner Schule gab es ein paar Leute, die sich damit auskannten. Sie haben es mir erklärt, so hat es bei mir angefangen.
Man braucht ein paar Spieler, von denen sich jeder eine Fantasierolle ausdenkt. Es kann in der Zukunft spielen, im Weltall, im Mittelalter. Man überlegt sich die Charaktereigenschaften seiner Figur, was sie kann, was sie nicht kann, ob sie stark ist, intelligent, ein Held, ein Mörder. Dann gibt es einen Gamemaster. Er entwickelt die Regeln und denkt sich vor jedem Treffen neue Episoden aus. So ein Spiel kann zehn Jahre lang laufen, immer mit denselben Leuten. In einem dieser Spiele - ich habe mehrere gleichzeitig laufen - bin ich der Gamemaster und muss mir neue Abenteuer ausdenken, damit die anderen Spaß haben. Der Trick ist, es logisch aufzubauen, sodass es einen Sinn ergibt. Es kann sein, dass so ein Spiel zwanzig Jahre lang geht, und dann ist es gut, wenn es eine kohärente Entwicklung der Geschichte und der Charaktere gegeben hat.
Ich habe es zum ersten Mal mit meiner Schwester gespielt, als wir klein waren. Damals ging es uns nur darum, ein paar Monster zu bekämpfen, einen Schatz zu finden und unverwundbar zu werden, wie in einem Computerspiel. Als wir größer wurden, merkten wir, dass es genauso wichtig war, seine Spielfigur lebendig werden zu lassen, egal ob man einen Schatz findet oder nicht.
- Datum 21.06.2000 - 14:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle (c) DIE ZEIT 2000
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







