Fleißig, billig, illegalSeite 2/2

BADE: Man darf sich keine falschen Hoffnungen machen. Durch Einwanderungsgesetzgebung und Einwanderungspolitik als solche wird das Phänomen der illegalen Zuwanderung nicht abgeschafft. Nehmen Sie das Beispiel der USA: Dieses Land hat ja nun von jeher Einwanderungsgesetzgebung und Einwanderungspolitik. Und bei Licht besehen, kommt der größte Teil der Immigranten heute doch auf illegalem Wege aus dem Süden in die USA.

Man muss mit einer Spannung leben lernen. Es geht um eine möglichst weitreichende Entkriminalisierung des Problems Migration. Wir brauchen einen Abbau der Feindbilder von den "illegalen Einwanderern", bei denen in der Regel Täter und Opfer verwechselt werden. Und wir müssen den normalen Umgang mit dem Unnormalen üben. Zum Beispiel, indem man Ärzte von dem Zwang befreit, illegal hier lebende Patienten den Behörden zu melden. Oder indem man Illegalen geeignete Angebote zur Legalisierung ihres Aufenthalts macht. In Frankreich oder Italien nennt man das "Regularisation".

Klaus J. Bade ist Professor für Neueste Geschichte und Vorstand des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück. Er ist Mitbegründer des Rates für Migration. Im August erscheint sein neues Buch über Migration unter dem Titel "Europa in Bewegung"

Die Fragen stellte Andrea Böhm

 
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