Schule der ExzellenzSeite 3/3
Smith hat die Schule vor 15 Jahren vor dem Untergang gerettet. Das Erzbistum wollte die hoch verschuldete Institution nicht weiter fördern. Mit Unterstützung vieler Eltern ging der Mönch Klinken putzen, trieb private Spenden auf und verwandelte Messmer in eine der erfolgreichsten Ausbildungsstätten der Stadt. Obwohl er weniger zahlt als die staatliche Konkurrenz, warten Lehrer auf eine Stelle an dieser Schule. Auch Schüler bewerben sich weit mehr, als Plätze vorhanden sind. Die Hälfte der Kinder kommt inzwischen aus verarmten Familien, seit kurzem zahlt der Bundesstaat ihre Gebühren. "Wir beweisen hier täglich, dass Armut kein Grund für Schulversagen ist", sagt Bruder Smith. Fast alle seine Schüler beenden ihre Ausbildung, 80 Prozent gehen später aufs College. Von der nahe gelegenen öffentlichen Schule schafft nur ein Viertel diesen Sprung, und über die Hälfte geht ohne Abschluss ab. Wie ist das zu schaffen? Bruder Smith lächelt, sagt Worte wie "Arbeitsethos" und "hohe Standards" und fügt dann hinzu: "Schauen Sie sich doch um."
Vor dem Büro des Direktors wartet ein Junge in Shorts, in der Hand hält er einen Zettel, der ihn ins Sekretariat beordert. "Ein Verstoß gegen die Kleidervorschriften", erklärt sein Mitschüler Jordan Acevedo und findet es auch ganz richtig, dass Shorts an der Messmer High School nur an besonderen Tagen erlaubt sind: "An der öffentlichen Schule, an der ich vorher war, hätte das niemanden interessiert. Da hat sowieso niemanden etwas interessiert. Da war alles so verwahrlost." Lang vergessene Sekundärtugenden werden an vielen privaten Schulen wieder hochgehalten: Pünktlichkeit, Höflichkeit, ordentliches Aussehen. Erst ein ruhiger Korridor ermöglicht das Lernen in den Klassenzimmern. Der Schüler, der das Streiten mit Worten gelernt hat, muss nicht zur Waffe greifen. Und wer die Kluft der Straßengangs gegen eine saubere Hose tauscht, verzichtet möglicherweise auf dem Schulhof auch auf andere brutale Riten.
"Hier spricht man Englisch" steht über der Tafel eines Klassenzimmers, und das richtet sich nicht etwa gegen die Immigranten, vielmehr ist der Slang des Ghettos verpönt. "Wir wollen, dass diese Jungen und Mädchen auf dem Arbeitsmarkt eine Chance haben", erklärt Bruder Smith. Diese Chance eröffne sich aber nur demjenigen, der einen gewissen Wortschatz beherrsche und Regeln beachte. Doch den Schulleiter treibt nicht nur die mögliche Marktfähigkeit seiner Absolventen. Er will der Welt beweisen, dass man auch aus armen Kindern, die im Ghetto wohnen, verantwortungsvolle Bürger machen kann. "Dabei hat das staatliche Schulsystem in den letzten Jahrzehnten versagt", sagt Smith.
Wenig später, in einer anderen Nachbarschaft, weiht John Norquist, der Bürgermeister von Milwaukee, den begrünten Innenhof einer öffentlichen Schule ein. Und dann sagt er:" Wettbewerb ist immer gut, er wird letztlich auch die öffentlichen Schulen verbessern. Die haben nämlich auf einmal Angst um ihre Zukunft." Der populäre Politiker weiß, dass er mit solchen Sätzen gegen die Linie seiner demokratischen Partei verstößt. Und dennoch ist er sicher, dass seine Stadt den richtigen Weg geht: "Die freie Wahl der Schule ist ein Schritt hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit."
- Datum 06.07.2000 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28/2000
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