Am vergangenen Donnerstag mühte sich der Berliner Spenden-Untersuchungsausschuss im Gespräch mit dem Zeugen Helmut Kohl, einen Vorgang aufzuklären, der als "Blackout" (Geißler) in die Geschichte der deutschen Parteienfinanzierung eingegangen ist. Mitte der achtziger Jahre war Helmut Kohl schon einmal Zeuge vor einem Spenden-Ausschuss. Damals musste er die Frage beantworten, "ob Sie, Herr Bundeskanzler, als damaliger Ministerpräsident (...) etwas davon wußten, daß diese Staatsbürgerliche Vereinigung (...) als Geld- und Spendenbeschaffungsanlage diente". Helmut Kohl sprach: "Nein."

Diese Antwort, sie war nachweislich falsch, ist im Protokoll mit einem Ausrufezeichen versehen. Der Bundestagsabgeordnete Otto Schily stellte damals Strafanzeige wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage. Einem Prozess entging Kohl nur, weil ihm kein Vorsatz nachzuweisen war. Zwei seiner Mitarbeiter hatten des Kanzlers Version bei der Staatsanwaltschaft gestützt: die heute als CDU-Schwarzgeldverwalter bekannten Horst Weyrauch und Uwe Lüthje.

Wie heikel Kohls Lage damals war, scheint der Kanzler erst spät begriffen zu haben. Lüthje berichtete: "Unvergessen für mich jener Augenblick, als er in endlich erwachtem Bewußtsein für die eigene höchst kritische Situation mich fragte, ob er nicht sicherheitshalber zurücktreten solle, ehe denn das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ihn dazu zwingen würde. Meine Antwort - mit Herzklopfen - war dann so - man weiß es -, daß er nicht zurücktrat."

Ein Motiv, diese im kleinen Kreis erzählte Geschichte einfach zu erfinden, ist für den unbefangenen Betrachter kaum zu erkennen. Umso bemerkenswerter, wie Kohl vergangene Woche im Zeugenstand dazu Stellung nahm: "Ich habe die Geburtstagsrede (...) gelesen bezüglich der Passage, ob es zutreffend ist, dass sie zu meinen Gunsten die Unwahrheit gesagt hätten. Weder ist von mir der Wunsch geäußert worden, die Unwahrheit zu sagen, noch hat es bezüglich der Aussage vor dem Staatsanwalt eine derartige Absprache gegeben." Auch habe er Lüthje "mit Sicherheit nicht" gefragt, ob er zurücktreten solle. Schon gar nicht habe man damals ein Drehbuch für den Untersuchungsausschuss geschrieben. Vielmehr, das sagte Kohl nur wenig später, sei in Gerhard Schröders Kanzleramt ein Drehbuch für den heutigen Untersuchungsausschuss geschrieben worden. Deshalb müsse er nun sagen: "Tatort Kanzleramt!"