Radsportler sterben gesundSeite 4/4

Hinterher stehen sie bei Frau Wimmer Schlange. Die Büdchenfrau kann ihnen gar nicht schnell genug all die Substanzen verkaufen, die früher auf der Verbotsliste standen, Mars-Riegel, Schokolade, Zigaretten, Bier. »Ein gutes Gefühl, wieder mal den inneren Schweinehund überwunden zu haben«, meint Jörg Paffrath und zündet sich genüsslich ein Zigarillo an. Sein zweites heute. Das erste hatte er vorm Start geraucht - »bin ja kein Profi mehr«. Gegen 13 Uhr ist allgemeiner Aufbruch. Daheim wird sonst das Essen kalt. Tschö dann bis nächsten Sonntag, halb zehn an der Schmitze Bud.

* Fußnote »Bist ganz schön grau geworden«, sagte er zur Begrüßung. »Du auch«, entgegnete ich. Zuletzt hatten wir uns 1966 gesehen, als ich - damals noch junger WDR-Reporter - den damaligen Tour-Helden Karl-Heinz Kunde interviewt hatte. Wollte nach 34 Jahren mal schauen, ob's noch schön rund läuft bei ihm, ob er noch gut im Tritt ist. »Kommst zu einem interessanten Zeitpunkt«, meinte er. »Bin gerade dabei, mein Fahrradgeschäft zu verkaufen«. Ob er sich jetzt mit 62 langsam nach einem Alterssitz auf Mallorca umschaut, wollte ich wissen. »Bist Du verrückt, ich werde vielleicht als Berater in einem Profi-Rennstall einsteigen. Jetzt geht es erst richtig los«. Aber vorher will Kunde noch die Tour de France live erleben. Das macht er jedes Jahr so. Stellt sich eine Woche lang irgendwo an die Strecke, ist sowas von begeistert, das kann er keinem erzählen. »Ich kenn den Betrieb ja nun von innen, aber erst als Zuschauer kriegst du die ganze Dramatik so richtig mit. Ich hab jedesmal 'ne Gänsehaut, wenn das Peleton kommt«.

 
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