Um Geld kann es einfach nicht gehen. Jedem, der es hören will, sagt Clemens Johannes Vedder: "Ich bin Kaufmann im Ruhestand, mit abgeschlossener Vermögensbildung." Und freut sich diebisch über seinen Gag. Denn in Wahrheit ist Vedders Vermögen gerade im Begriff, mal eben wieder um einen Betrag zu wachsen, der leicht über die 100-Millionen-Mark-Grenze kommen könnte.

Mit einem Dutzend Partnern hat er in aller Stille 17,5 Prozent der Commerzbank-Aktien aufgekauft. Der Vorstand hat nichts gemerkt, und jetzt rotiert er. Um sich dem Einfluss des unwillkommenen neuen Großaktionärs zu entziehen, will die Commerzbank nun mit der Dresdner Bank fusionieren. Vedder und Partner haben das überkommene deutsche Bankensystem erschüttert. "Was wir da ausgelöst haben", sagt Vedder, "wird erst in ein paar Jahren sichtbar werden. Nichts wird bleiben, wie es ist." Erst einmal werden sie sich aber ihre Zustimmung zur Fusion mit einer satten Barabfindung oder mit billigen Aktien der neuen Bank vergolden lassen. Doch wenn es um die Mehrung seines Vermögens tatsächlich nicht geht, was treibt ihn dann, die Commerzbank zu ärgern?

Mit der Linken hält Vedder das Lenkrad seines schwarzen Gelände-Benz 300 GE, der durch die Sylter Dünen gondelt. Mit der Rechten fummelt er am CD-Player und schreit gegen die wummernde Rockmusik: "Kennen Sie die noch? In The Year Twentyfivetwentyfive! Zager and Evans! Geld, Häuser, Luxus, auf alles könnte ich verzichten! Aber nicht auf Musik! Mick Jagger! Ron Wood! Brian Adams!

Mark Knopfler!"

Vergangenes Jahr hat sich der Schrecken der Commerzbank einen Traum erfüllt: Als die Rolling Stones in Stuttgart gastierten (die übrigen zehn weltweiten Stones-Konzerte hat er natürlich auch besucht), nutzte Clemens Vedder seinen Kontakt zum Konzertveranstalter und sprang kurz vor Mick Jagger auf die Bühne. Nur mal sehen, wie das ist, so vor 80 000 Leuten zu stehen. Niemand ahnte, wer da die Vorprogrammeinlage gab. Es sind solche Momente, die er lustig findet.

Vedder liebt es, sich für ein paar Augenblicke dem Publikum zu zeigen, nicht schnell genug erkannt zu werden, und dann rasch wieder zu verschwinden. So hat er es stets gehalten. Allenfalls kurz tauchte er gelegentlich auf der Bühne des wirtschaftlichen Geschehens auf. Und unbeobachtet im Hintergrund hat er sich dem gewidmet, was er nun treuherzig seine abgeschlossene Vermögensbildung nennt. Binnen drei Jahrzehnten hat er es vom kleinen Kaufhausangestellten in den Kreis der wirklich reichen Männer Deutschlands geschafft - und kaum jemand hat es gemerkt.

Nur in ein paar überschaubaren Soziotopen lässt er sich sehen. In Palm Beach, unter seinesgleichen auf Mallorca, in Kampen auf Sylt und natürlich in den Ferien in Köln, wo alles angefangen hat. Dort erinnern sich auch noch Taxifahrer und Tresensteher an den cleveren Typ, der damals, Ende der siebziger Jahre, die ewig an der Pleite entlangschrammenden Kölner Haie als Schatzmeister saniert und ihnen dann Jahr um Jahr durch geschickte Spielerdeals die deutsche Meisterschaft im Eishockey gesichert hat. "Dä Vedder", sagen sie in der Domstadt, "dä Vedder, dat is en Cash-Maschin. Dä mäht alles zu Jeld. Dä Vedder, dä is länx in Florida." In Köln sieht man Vedder als eine Art rheinischen Howard Hughes: reich, geheimnisvoll und ein bisschen jeck.