Von Gleich zu Gleich

Tauschsoftware wie "Napster" bereitet der Musikindustrie Albträume. Aber sie ist nicht nur für Raubkopierer interessant

Noch nie war Raubkopieren so einfach: Musikfans installieren ein kleines Programm auf ihrer Festplatte, treten über das Internet mit einem Zentralcomputer in Verbindung und geben einen Musiktitel in das Suchfenster der Software ein. Die listet dann Dutzende von anderen angeschlossenen Rechnern auf, wo der Song heruntergeladen werden kann - kostenlos.

So funktioniert Napster, der ebenso beliebte wie berüchtigte Online-Tauschdienst für Musikdateien. Kein Wunder, dass die Plattenindustrie zittert. Aber die wahre Bedeutung von Napster und ähnlichen Diensten wie Gnutella und FreeNet dürfte nicht darin liegen, dass sie Urheberrechtsverletzungen einfacher machen. Diese "verteilten Informationssysteme" könnten das Internet auf Dauer so stark verändern wie zuletzt die Browser, die Mitte der neunziger Jahre dem gemeinen Publikum erst das Internet zugänglich machten.

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Napster und Co. arbeiten dagegen nach dem Prinzip peer-to-peer - einer Kommunikation zwischen Ebenbürtigen. In diesem Verbund sind alle Computer zugleich Client und Server. Ein Rechner kann eine Datei von einem anderen herunterladen oder dorthin verschicken - ganz ähnlich wie in den Anfangstagen des Internet. Damals wurde eine E-Mail von Computer zu Computer weitergereicht, bis sie beim Adressaten ankam.

AOL wollte "Gnutella" stoppen - und kam zu spät

Der Schritt zurück in die Zukunft ist nur konsequent. Die Prozessoren von PCs sind mittlerweile so schnell und ihre Festplatten so riesig, dass sie problemlos als kleine Server eingesetzt werden könnten. Vor allem in den Vereinigten Staaten sind immer mehr häusliche PCs wie ein Server ständig ans Netz angeschlossen, etwa über einen Kabelanschluss oder eine andere schnelle Standleitung. Diese Armada von dauerpräsenten Heimrechnern lässt sich leicht zu riesigen, verteilten Speichernetzen zusammenschließen. Und genau das machen Napster und ähnliche Dienste. Wenn Nutzer die zugehörigen Programme installieren, reservieren diese sich einen Teil der Festplatte und stellen dessen Inhalt anderen Surfern zur Verfügung.

Shawn Fanning, ein 19-jähriger Amerikaner, schrieb Napster, um seinen Freunden zu helfen, Musikdateien im weit verbreiteten MP3-Format auszutauschen. Aus diesem Grund ist der Dienst auch nicht vollkommen dezentralisiert. Denn spezielle Datenbankcomputer merken sich, wo sich welche Songs herunterladen lassen.

Dieser letzte Rest zentraler Datenverwaltung macht Napster extrem nutzerfreundlich, aber auch zur leichten Beute für Strafverfolger, die etwa von aufgebrachten Künstlern und deren Rechtsvertretern mobilisiert worden sind. So klagte Mitte Juni der Branchenverband Recording Industry Association of America (RIAA) gegen das Unternehmen, das Napster betreibt, wegen der Verletzung von Urheberrechten. Die Firma argumentiert dagegen, dass sie nur die nötige Hardware anbietet, aber nicht für deren Missbrauch verantwortlich ist.

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