Sophie Scholl Keine IkoneSeite 2/2

Das erste Flugblatt der Weißen Rose entdeckte die Studentin noch ohne Kenntnis von der Urheberschaft ihres Bruders Mitte Juni in einer Fensternische ihres Hörsaals. Wenig später stand sie selbst an der Vervielfältigungsmaschine im Atelier des Architekten Manfred Eickmeyer, in dem sich der kleine Kreis um Hans Scholl, Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf und Kurt Huber konspirativ eingerichtet hatte. Ein halbes Jahr arbeitete sie mit an der Entstehung der fünf weiteren Flugblätter sowie an deren raschen Verbreitung per Post und per Bahn. Dann wurde sie am 18.

Februar 1943 mit ihrem Bruder Hans in der Universität verhaftet und drei Tage später gemeinsam mit den anderen Beteiligten vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.

Was Barbara Leisner in ihrer Biografie zum Vorschein bringt, ist die Geschichte eines politischen Reifungs- und Reflexionsprozesses. Gerade anhand der Briefe und Aufzeichnungen Sophie Scholls lässt sich nachvollziehen, wie sich die Opposition gegen die nationalsozialistische Bewegung aus der eigenen Jugend entwickelte - aus jener Generation, die im NS-Staat erzogen und auf eine besondere Vorreiterrolle im System vorbereitet wurde. Widerstand wird in Leisners Darstellung nicht zum abstrakten Heldenideal verklärt, sondern erscheint als praktische Konsequenz aus der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der eigenen Beteiligung daran.

Gleichzeitig ergibt sich aus der Perspektive der Einzelbiografie ein neuer Blickwinkel auf die Aktivität der Weißen Rose und die durch jeweils unterschiedliche Einflüsse und geistigen Mentoren hervorgerufene Vielstimmigkeit ihrer Flugbatt-Texte. Auf diese Weise gelingt es Leisner, eine längst zur Ikone der Erinnerungskultur erstarrte Frauenfigur behutsam vom Sockel zu heben und ihre Lebensgeschichte vor einem aktuellen Forschungshintergrund neu zur Diskussion zu stellen.

Barbara Leisner: "Ich würde es genauso wieder machen" - Sophie Scholl
List Taschenbuch Verlag, München 2000, 279 S., 16,90 DM

 
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