Stoff für abenteuerliche, schicksalhafte, gesellschaftskritische Themen bietet der afrikanische Kontinent reichlich, aber abgesehen von Historien- und Erlebnisgeschichten europäischer Autoren, vorwiegend angesiedelt während des Übergangs vom Kolonialismus zur Unabhängigkeit, fehlte bisher die literarische Bewältigung dieser großen Umwälzungen aus der Sicht autochthoner Autoren. Die wenigen Werke angesehener afrikanischer Schriftsteller wie Leopold Senghor, Chinua Achebe, Cyprian Ekwensi, Ngugi wa Thiong'o, Okot p'Bitek bis zum Nobelpreisträger Wole Soyinka verfehlen immer den epocheumfassenden Roman.

Dass jetzt ausgerechnet ein Schwarzafrikaner sich mit seinem Erstlingsroman dem Rang von Weltliteratur anzunähern versucht, ist ein unerwarteter Glücksfall. Der in Uganda geborene Moses Isegawa, 37 Jahre alt, der heute in Amsterdam lebt und arbeitet, hat seinen Anspruch mit eigenen Worten bekräftigt. "Wir haben Dostojewskij gelesen, wir haben gesehen, was Garca Márquez für die südamerikanische und Salmon Rushdie für die indische Literatur bewirkt haben - jetzt wollen wir in Afrika das Gleiche tun. Zum ersten Mal haben wir ein eigenes Gesicht."

Sein Buch entwickelt sich vor dem Hintergrund der britischen Kolonialzeit über das Datum der Unabhängigkeit Ugandas hinweg bis tief in die Zeit der Schreckensherrschaft der diktatorischen Regimes von Milton Obote und Idi Amin Dada

es umfasst über drei Generationen und endet in der Gegenwart.

Es ist im Kern eine Lebensgeschichte, angereichert durch fiktive Einschlüsse von überwältigender Fantasie. Persönlich erlebte Kindheitsszenen von poetischer Einfühlsamkeit wechseln mit historisch belegten Ereignissen, geschildert mit minutiöser Genauigkeit. Da sind die brutalen Übergriffe der Soldateska des Idi Amin und der Rebellen - das hier verdeutlichte Grauen erinnert an den Simplicissimus des Grimmelshausen und die dort geschilderten Gräuel des Dreißigjährigen Kriegs.

Plastisch, farbenreich und von strotzender Lebendigkeit gelingen die Schilderungen von Orten wie dem zentralen Markt von Kampala mit seinen Kleinbusschaffnern, Marktfrauen, Straßenhändlern, Taschendieben, Bettlern, Streunern, Prostituierten und Hunderten von Taxis, man meint die Geräusche zu hören, und die Gerüche liegen in der Nase.

Dem ugandischen Erzähler ist es gelungen, die Traditionen einer afrikanischen Großfamilie auch Europäern nahe zu bringen, die Abhängigkeit ihrer Mitglieder von Gewohnheiten und Sitten zu schildern und die Überbeanspruchung der afrikanischen Frauen. Ein verblüffend facettenreicher Wortschatz lässt die Beobachtungsgabe des ehemaligen Priesterseminaristen und Lehrers erkennen.