Wie kann man mit zwei grimmig dreinblickenden Militärs im Rücken nur so friedlich dösen? Ob das an den Zitronenmelisse-Pastillen liegt, die der aufmerksame Herr in Grün dem fast erblindeten indonesischen Präsidenten anbietet? Das aromatische Kraut, das ursprünglich aus Südeuropa stammt, soll immerhin eine beruhigende Wirkung bei nervösen Beschwerden haben.

Schon seit Beginn der achtziger Jahre sind die Schweizer Lutschpastillen aus Laufen auch in Asien zu haben. Der indonesische Markt wird seit Anfang der neunziger Jahre intensiv bearbeitet. Ricola (Zusammenziehung aus dem ursprünglichen Firmennamen Richterich & Co., Laufen) kommt bei den Asiaten wegen der langen Heilkräuter-Tradition besonders gut an. Außerdem mag man die Schweizer in Indonesien, odrr?, sagt Herr Richterich, Chef des sich immer noch im Familienbesitz befindenden Unternehmens.

Vor allen Dingen die diskreten Nummernkonten sollen es ja früher Suharto, dem 1998 zurückgetretenen General und Vorgänger Wahids, angetan haben. Wenn einer in der Schweiz ein Konto mit meinem Namen findet, hat er damals gesagt, dann kann er das ganze Geld behalten, ich schreibe sogar die Schecks aus. Aber mit Korruption und Vetternwirtschaft des früheren Staatschefs und den heutigen Problemen des ehemaligen Muslimführers Wahid in der mit circa 220 Millionen Einwohnern viertgrößten Nation der Welt hat Ricola nichts zu tun.

Das lustige Männchen aus der Werbung mit dem Warnsignallicht auf dem Kopf steht bei uns für die selbstbewusste Markenqualität eines gesunden Naturproduktes aus den Schweizer Bergregionen. Im indonesischen Fernsehen ist der fröhlich Riiiicolaa! in den Himmel jubelnde Vorgänger zu sehen. Der Erfolg sympathischer Werbung garantierte einen sicheren Platz der Pastillen neben Minzbonbons wie Chiclets und Fun Malds aus den USA, Fisherman's Friend aus England und Maxim's aus Italien. Ricola, heißt es aus der Filiale des Laufener Unternehmens in Singapur, ist in Indonesien, vor allem in Supermärkten und Pharmazien, das führende Hals- und Munderfrischungsbonbon.

Auch der schläfrige Wahid scheint das zu mögen, was alle nehmen, gerade die Sorte zuckerfreie Zitronenmelisse in der gelben Klickbox ist in Indonesien der Renner. Von ihr und der Geschmacksrichtung Alpin Fresh werden dort im Monat ungefähr 50 000 Packungen verkauft. Mit einem Preis von 12 650 Rupiah (circa 3,20 Mark) sind die Bonbons nicht unbedingt billig, trotzdem braucht niemand denken, Ricola wird nur von Politikern und Militärs gelutscht, sagt Herr Richterich. Qualität hat eben ihren Preis. Aber nichts ist so kostbar wie ein gesundes Nickerchen.

Ricola-Bonbons in der Klickbox gibt es in Apotheken und Supermärkten, hier kosten sie nur 2,50 Mark