In Frankreich wird gerade über die Zukunft des Internet entschieden. Konkret geht es um die Frage, ob im World Wide Web nationale Grenzen gezogen werden können. Anlass ist die Klage dreier französischer Antirassismus-Organisationen gegen das weltweit größte Internet-Portal Yahoo.

Auf einer Seite des amerikanischen Unternehmens werden Nazi-Utensilien angeboten, die somit auch Franzosen zugänglich sind. Der Kauf und Verkauf derartiger Ware widerspricht jedoch französischem Gesetz.

Vorerst hat Yahoo einen Teilsieg errungen. Das Pariser Gericht musste sich auf den 6. November vertagen. Bis dahin sollen drei internationale Experten herausfinden, ob es technisch machbar ist, nationale Filter in das Netz einzubauen. Es geht dabei aber auch um den möglichen Missbrauch der Filter.

Sie würden der politischen Zensur Vorschub leisten, meinen Fürsprecher der unbeschränkten Meinungsfreiheit. Länder wie China könnten sich dieses Mittels bedienen. Bislang steht die Volksrepublik dem elektronischen Datenfluss hilflos gegenüber. Sie kann nur unliebsame Informationen sanktionieren, die von ihrem eigenen Territorium ausgehen.

Der Rechtsstreit in Frankreich offenbart das Dilemma, in dem sich die globale Informationsgesellschaft befindet: Wenn eine Homepage die Gesetze aller Länder beachten muss, wird sich die rigideste Rechtssprechung durchsetzen.

Gilt das liberalste Recht als Maßstab, sind "Cyberparadiese" denkbar, die anderswo sanktionierten Internet-Anbietern Zuflucht gewähren. Um einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden, schlug der Chef des französischen Internet-Portals Net2One vor, so etwas wie eine Uno im Netz zu gründen, die auch Sanktionsvollmachten hat. Der Mitbegründer des Netzes, Robert Cailliau, denkt eher daran, jeden Internet-Nutzer mit einer Lizenz zu versehen. Dadurch würde die Anonymität des Surfers aufgehoben, und man könne ihn zur Verantwortung ziehen.