Berlin

Diese Geschichte hat nichts, aber auch gar nichts mit Rechtsextremismus zu tun. Das muss man ihnen glauben - dem Ordnungsamt des Landkreises Elbe-Elster und dem brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm. Es ist ein dummer Zufall, dass die "aufenthaltsbeendenden Maßnahmen" gegen den ägyptischen Gastwirt Salah El-Nemr ausgerechnet jetzt ausgeführt werden sollen, wo alle Welt über rechte Gewalt diskutiert und niemand in den Ruf geraten mag, gegenüber Ausländern ein besonders harter Hund zu sein und Beifall aus der ganz rechten Ecke zu bekommen. Unglücklich, die Sache. Unglücklich für die Behörden. Unglücklich auch für den 38-jährigen Salah El-Nemr, der in den vergangenen zwei Jahren vom erfolgreichen Unternehmer zum illegalen, unerwünschten Ausländer abstürzte.

Dabei fing die Geschichte für alle Beteiligten ganz gut an: Ali Baba hieß die Pizzeria, die der gelernte Feinmechaniker aus Kairo im brandenburgischen Elsterwerda eröffnet hatte, damals, Anfang der neunziger Jahre, als Kebabbuden-Besitzer, Pizzabäcker und chinesische Köche in die neuen Bundesländer aufbrachen, um neue Märkte zu erobern. Es empfahl sich, eine gute Brandschutzversicherung und beim Anblick des Hitlergrußes schon mal demonstrativ das Döner-Messer zu schleifen.

Das Geschäft im Ali Baba boomte. Es war ratsam, im Voraus zu reservieren, und wer auf Zuruf einen Pizzateig fangen konnte, ohne ein Loch zu bohren, durfte auf Kosten des Hauses speisen. Salah El-Nemr alias Ali Baba fühlte sich in Elsterwerda so gut aufgehoben, dass er die kahl geschorenen Mitglieder der örtlichen Nazikameradschaft zu Kaffee und Kuchen einlud, um ein paar grundlegende Fragen zu klären: "Warum kommen so viele Neger nach Deutschland und nehmen die Arbeitsplätze weg?" Und: "Müssen sie alle raus, oder können ein paar bleiben?" Immerhin konnte Salah El-Nemr darauf verweisen, als "Neger" in Elsterwerda vier Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Genau deswegen hatte ihm die Ausländerbehörde eine Aufenthaltsbefugnis erteilt. "Besonderes öffentliches Interesse", sagt man im Ordnungsamt.

Selbiges erlosch spätestens in der Nacht zum 1. Oktober 1998, als das Haus von Salah El-Nemr samt Gaststätte von Unbekannten in Brand gesteckt wurde.

Nun muss man nicht gleich hinter jedem Brandanschlag auf das Haus eines Ausländers das Werk von Rechtsextremisten vermuten. Salah El-Nemr hat sich über den oder die Täter seinen eigenen Reim gemacht, glaubt eher an Mietschulden eines seiner Untermieter als Motiv, der nach dem Ausstieg aus der Skinhead-Szene und mit frischem Haarwuchs bei ihm eingezogen war.

Jedenfalls wurden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Cottbus Ende 1999 ohne Ergebnis eingestellt. Etwa zum gleichen Zeitpunkt kam die zuständige Ausländerbehörde zu dem Schluss, dass an der Anwesenheit von Salah El-Nemr nun kein "öffentliches Interesse" mehr bestand, weswegen der Antrag auf Verlängerung der Aufenthaltsbefugnis abgelehnt wurde.