Erste Priorität, daran lässt France Télécom keinerlei Zweifel, hat zurzeit die UMTS-Lizenz in Deutschland. Die Franzosen haben sich mit dem Büdelsdorfer Durchstarter Mobilcom zusammengetan, um hierzulande in den Mobilfunkmarkt der Zukunft einzusteigen. Darüber hinaus aber ist Michel Bon, der Chef des französischen Telefonriesen, auch daran interessiert, in Deutschland ein eigenes Festnetz zu betreiben. Es könnte das von Mannesmann sein, wie in Paris zu hören ist. Die Festnetztochter Arcor von Mannesmann ist der mit Abstand größte Herausforder der Deutschen Telekom. Und Bon hat sich vorgenommen, in Zukunft in ganz großem Stil ein paneuropäisches Angebot rund um Telefon, Handy und Internet zu schaffen.

Zudem nährt eine etwas verschlungene Konstellation das jüngste Gerücht. Seit der Übernahme von Mannesmann durch das britische Unternehmen Vodafone wechselte nicht nur die Mobilfunktochter D2 den Besitzer, sondern auch die Festnetzsparte. Deren Chef, Harald Stöber, musste von Anfang an befüchten, zum Stiefkind zu werden. Denn Vodafone-Chef Chris Gent war vor allem an den Mobilfunkern interessiert. Er gab sich zwar alle Mühe, auch die ungewollte Tochter Arcor willkommen zu heißen, gleichwohl aber war stets klar, dass der Brite vom Betrieb und Ausbau eigener Festnetze nicht viel hält.

Arcor, so heißt es bislang offiziell, soll demnächst wie geplant an die Börse gehen. Die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren, genauso wie bei der italienischen Schwester Infostrada, die Gent ebenfalls durch den Mannesmann-Kauf zufiel. Auch in Italien sind - ein Zufall? - Gerüchte aufgekommen, dass Gent das Unternehmen doch noch an einen Großinvestor verkaufen könnte. Das brächte, anders als ein stufenweiser Börsengang, auf einen Schlag viel Geld in die Kasse. Auch potenzielle Käufer sind in Italien schon im Gespräch: France Télécom oder die Deutsche Telekom. Da passt es vorzüglich, dass Michel Bon mit Gent bereits länger bekannt ist. Schließlich hat der Franzose dem Briten schon Orange abgekauft, jenes Unternehmen, dass Vodafone im Zuge des Mannesmann-Coups schluckte, aber aus wettbewerbsrechtlichen Gründen wieder abstoßen musste.

Zwar bestätigen beide Unternehmen derzeit nicht, in dieser Sache Gespräche zu führen. Allerdings hält eine Unternehmenssprecherin von France Télécom mögliche Komplikationen, die sich bei einem Arcor-Deal aus der Beteiligung an Mobilcom ergeben würden, für "branchenüblich". Und ein Vodafone-Sprecher zieht sich auf die - in solchen Fällen gepflegte - Standardantwort zurück: "Wir kommentieren keine Spekulationen." Vodafone habe stets nur das Interesse der Aktionäre im Auge.

Alles also nur eine Frage des Preises?

Für Mannesmann Arcor wäre ein Besitzerwechsel gar nicht so schlecht. Zwar wird Arcor-Chef Stöber nicht müde zu betonen, dass das Unternehmen "einen Gesellschafter braucht, der uns unterstützt" - und das mache Vodafone.

Gleichwohl aber fände er für seine ehrgeizige Netzausbaustrategie bei France Télécom sicherlich noch offenere Ohren. Deshalb ginge ein solcher Coup besonders einem quer runter: Ron Sommer, Chef der Deutschen Telekom. Er und Bon hatten lange Zeit versucht, gemeinsam das internationale Geschäft aufzubauen. Stillschweigend war klar, dass man sich als Partner nicht attackiert. Damit ist es vorbei, seit Sommer mit der Telecom Italia gemeinsame Sache machen wollte. Bon reagierte seinerzeit heftig, zog sich dann enttäuscht zurück, um nun womöglich mit aller Macht ins Terrain seines Rivalen einzubrechen.