Es geschah am 18. August 1950. "Der Himmel war noch in ein dunstiges Grau gehüllt", dichtete Hans Marchwitza in seinem Arbeiterepos Rohstahl. "Von der Oder her wehte feuchte, nach Sumpf riechende Luft, in der die Mückenschwärme auf und ab tanzten." Fritz Selbmann, seines Zeichens Industrieminister der noch jungen DDR, fällte symbolisch eine Kiefer und gab damit das Startsignal für den Bau des Eisenhüttenkombinats Ost. So hatte es der III. Parteitag der SED beschlossen, und die sozialistische Einheitspresse vergaß nicht den Hinweis, dass das Werk auf "junkerlichem Boden" stehen werde.

Friedensstahl aus russischem Erz und polnischer Kohle für den Aufbau des deutschen Arbeiter-und-Bauern-Staates - so war das ehrgeizige Ziel definiert.

Dazu eine völlig neue Stadt für den neuen Menschen. In der Sprache Marchwitzas: "So wie unter ihren Händen die Hochöfen und die ersten Wohnhäuser von Stalinstadt wachsen, wie aus dem einstigen Wald eine klirrende und funkensprühende Schmiede wird, so festigt sich in ihnen immer mehr die Erkenntnis, daß sie Befreite sind, daß es keine Knechte und Herren mehr gibt."

Ein Bauwerk aus der Kategorie "Kathedrale in der Wüste", das da bei Fürstenberg in Sichtweite der Oder aus dem märkischen Sand wächst.

Gleichzeitig entsteht Stalinstadt, die "erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden", seit 1961 Eisenhüttenstadt. Und erstaunlich: EKO Stahl hat den Sozialismus genauso überlebt wie mehrfache Eigentümerwechsel. Es hat sich gegen Brüssel und gegen die Westkonkurrenz behauptet. Heute ist EKO das letzte der DDR-Kombinate, das als industrielle Großeinheit noch arbeitet - und dazu mit Gewinn.

Dabei hatte "unser Werk", wie es die Stahlarbeiter stets voller Stolz nannten, von Anfang an ein paar kapitale Mängel. Als "trockenem Standort" fehlte ihm die Anbindung an eine Wasserstraße - ein entscheidender Kostennachteil. Zudem fehlte ein Warmwalzwerk. Mitte der achtziger Jahre wurde zwar mit dessen Bau begonnen, aber mangels Devisen wurden die Bauarbeiten bald wieder eingestellt. Die Folge: Der Stahl wurde in über 20 Tonnen schweren Brammen vornehmlich zum Klassenfeind an die Ruhr geschafft, dort platt gemacht und meist per Bahn wieder in Richtung Osten zurücktransportiert. Ein wahnwitziges Konzept, das jede Konkurrenzfähigkeit von vornherein verhinderte.

Nach der Wende wurde aus dem volkseigenen Betrieb eine Aktiengesellschaft - im Besitz der Treuhandanstalt. Etliche Stahlbosse aus dem Westen sprachen zwar vor. Aber der Besuch der Herren von Krupp, Preussag, Thyssen und Co.