Der Vorstandschef der Deutschen Post AG, Klaus Zumwinkel, muss vorerst nicht fürchten, dass der Postmarkt in Deutschland weiter geöffnet wird. In der Stellungnahme der Bundesregierung zu den Wettbewerbsberichten der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post sowie der Monopolkommission heißt es, die Öffnung des deutschen Postmarktes solle "im Einklang mit der Entwicklung in Europa fortgeführt werden. Das Auslaufen der gesetzlichen Exklusivlizenz (bis 2003 für den Standardbrief bis 200 g) darf nicht zu einer einseitigen Öffnung des Postmarktes in Deutschland führen." Da Zumwinkel nur zu gut weiß, dass die meisten EU-Länder ihre Postunternehmen noch möglichst lange unter der sicheren Schutzhaube des Monopols belassen wollen, kann der Post AG also nicht viel passieren, wenn Berlin bei der Aussage bleibt. Dennoch könnte Zumwinkel noch Ungemach drohen - aus Brüssel.

Die Verfahren wegen Wettbewerbsverstoßes laufen weiter und werden nach Einschätzung von Wirtschaftsstaatssekretär Helmut Tacke auch kaum vor dem Börsengang der Post abgeschlossen sein. Da das denkbar höchste Bußgeld maximal zehn Prozent vom Umsatz beträgt, liegt das finanzielle Risiko für die Post bei etwa sechs Milliarden Mark. Wird die Deutsche Post verurteilt, trifft das nach Ansicht von Tacke auch andere europäische Postunternehmen.

Womöglich folgt dann ein ganzer Rattenschwanz von Prozessen.