Eine Frau hat gerade eine Liebesbeziehung beendet. Eine Frau hat zum ersten Mal mit einem Mann geschlafen. Eine Frau lässt ihren Hund kastrieren.

Eine Frau unterhält eine Affäre mit dem Mann ihrer Freundin. Eine Frau wird schwanger. Eine entbindet. Eine heiratet. Eine erfährt, dass ihr Mann sie betrügt. Eine geht auf den Strich.

Drei Bücher mit Erzählungen von Frauen. Sie heißen, sehr weiblich und sehr programmatisch, Hochzeiten und Die kleinere Hälfte der Welt. Das dritte besteht aus nur einer Erzählung mit dem Titel Majakowskiring, und prompt beschwerte sich bei der Präsentation des Buches am Berliner Majakowskiring ein Teil des Publikums, dass der Inhalt dem Titel nicht entspreche. Es war den Leuten zu wenig drin vom Majakowskiring und seinem DDR-Lokalkolorit und zu viel von den Privatangelegenheiten einer Frau. Sie hätten es eigentlich wissen müssen, denn dieselbe Autorin hat schon Bücher geschrieben wie Verführungen und Lisa's Liebe.

Man weiß sofort: Das ist Frauenliteratur.

Frauenliteratur hat einen schlechten Ruf und gilt als leicht erkennbar: Sie ist von Frauen geschrieben und handelt von dem, was Frauen beschäftigt, nämlich Mütter, Männer, Kinder. Keine Karrieren, keine große Erfindungen oder Weltentwürfe. Es geht um Erfahrungen

oder, geben wir's zu, um Beziehungen - und wenn es nur die zum Hund ist.

Frauenliteratur ist ein Etikett, das sich keine mehr aufkleben lassen will.