Der Schweizer Publizist Fritz René Allemann, einer der großen Journalisten, von denen die Nachkriegsepoche geprägt wurde, hat mit seiner Studie Bonn ist nicht Weimar schon im Jahre 1956 nachgewiesen, dass der zweiten deutschen Republik keineswegs das deprimierenden Schicksal der ersten beschieden sein müsse, trotz der Hypotheken, mit denen sie von Beginn an belastet war: eine Kreation der Alliierten und damit ein Produkt der Niederlage im schrecklichsten Krieg der europäischen Geschichte zu sein , mit der Not von zwölf Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen aus Osteuropa kämpfend, durch eine moralische Schuld bedrückt, für die es historisch keinen Vergleich gab, wirtschaftlich durch die zerstörten oder demontierten Industrien in der Entwick lung um Jahrzehnte zurückgeworfen, die Hälfte seiner Bürger in verheerten Städten vegetierend, von einer gleichberechtigten Mitgliedschaft in der Völkerfamilie weit entfernt, vom Expansionswillen des sowjetischen Imperiums bedroht, mit nationalen Res sentiments konfrontiert ... Und dennoch sah Allemann, gerade in der Totalität der Niederlage und im Zwang zu einem radikal neuen Anfang die Chance für den Aufbau einer vitalen Demokratie. Er behielt recht. Der Titel seines Buches wurde zum geflügelten Wort. Nun ist das Werk nach langen Jahrzehnten, in einer Neuausgabe von Xenia von Bahder, wieder erreichbar, erschienen im R. G. Fischer-Verlag (Orberstr. 30, D-60386 Frankfurt), 424 S., 49,80 DM.