In diesen Tagen, da die Nächte wieder früher zur Weide schleichen, auf denen Kühe in Halbtrauer einen Sommer wiederkäuen, von dem schon Adalbert Stifter sagte, er hätte uns erwärmen können, wenn es denn einer gewesen wäre

heute, da am Saum der Stadt ein Igel schon den Herbst begrüßt - vor der Zeit, früh gereut -, da darf man endlich mit dem Dichter sprechen: Freunde, es war super! Welch ein Sommer. Noch nie haben wir in Europa so wunderbare Entdeckungen gemacht, über den Menschen und auch die Liebe. Mit der Glut unserer Leidenschaft haben wir den Schatz unseres Wissens ins Unendliche vermehrt. O Sommer, du!

Als wir die Hoffnung schon aufgegeben hatten, entdeckten wir, wie Jenny Elvers bei Heiner Lauterbach über die Ufer springt, aus fehlender Liebe. Wir wissen von Queen-Enkelin Zara Philips, 19, dass sie im versiegelten Gummi-Tanga eine Dildo-Party feiert, ohne Männer, aber für die künftige Liebe. Wir haben mit Lust und Leidenschaft die Aufklärung italienischer Sexualforscher studiert, wonach perfekte Frauen sterblichen Männern Angst einjagen, auch im Winter. "Frauen brauchen kleine Fehler", zum Beispiel einen schiefen Zahn, sagt Bild, sonst geht der Mann. Ein kleiner Bauch tut's auch.

Und alles für die Liebe.

Von Historikern erfuhren wir, auch das Gegenteil könne der Fall sein, zum Beispiel bei Lord Nelson, der einäugig war, kleinwüchsig und von Narben entstellt. Deshalb musste Lady Hamilton keine Angst vor einem perfekten Body haben, nicht nur am Tage. Doch von diesem Naturgesetz hat sie nichts gewusst, denn sie las ja keine Ratgeber über die Liebe und auch nicht die Bild. Da sprengte sie einfach die Nesteln ihres Mieders wie einst Kleopatra bei Cäsar und Camilla bei Charles. Und siehe da, es war Liebe.

Und wir? Wir Heutigen sind ja sehr aufgeklärt und wissen alles von der Liebe, mit Menschen und auch ohne. Wir fragen mit dem Spiegel, wie viel erotische Nacktheit dem Fräuleinwunder der deutschen Literatur gut tut, ohne dass die Kunst an "Deutlichkeit" zugrunde geht und dabei auch die Liebe.

So forscht Europa im Nachsommer nach seiner Leidenschaft, weil diese einfach vergeht und auch die dazugehörigen Menschen fortbleiben und in der Mitte viel Raum wird für Notizen. Und all das wegen der Schönheitsfehler, die niemand mehr hat, und wegen der Angst, die den Männern das Perfekte macht, weshalb alle Welt immer nur über die Liebe reden will, die ihr abhanden kam, bis am Ende nur noch das Liebeswissen übrig bleibt und dieses dann so blöd dasteht wie eine Kuh im Abendrot, während unter den Wolken des Wissens der Mensch persönlich verschwindet wie eine Sandburg am Nordseestrand. Und das im Sommer! Finis