Am 28. September werden die Dänen in einer Volksabstimmung entscheiden, ob sie Euro-Land beitreten wollen. Der Ausgang ist völlig offen. Warum sind die fünf Millionen nördlichen Nachbarn der Deutschen so störrisch, wenn es um Europa geht?

Europa und Deutschland sind in den Augen vieler Dänen sehr große und bedrohliche Gebilde. Die Dänen befürchten, dass die großen europäischen Staaten auf eine Union zusteuern könnten, in der die kleinen Länder untergehen. Das Argument, Dänemark könne nur Einfluss ausüben, wenn es dabei ist, zieht nicht bei den Dänen: Hier geht es um Emotionen und Traditionen.

Wir sind ein kleines Land und deshalb machtlos. Wir genießen diese Machtlosigkeit, sie hat nämlich ein Gutes: Wir tragen keine Verantwortung für das Böse in der Welt. Das Böse kommt von außen, und falls es einen Dänen anstecken sollte, benimmt er sich undänisch. Das ist ein Etikett, dass auch von vielen Politikern gern benutzt wird. So wird zum Beispiel Fremdenhass als undänisch bezeichnet. Dänisch ist etwas Gutes. Die dänische Art, Probleme anzugehen, ist natürlich die einzig richtige. Würden die anderen es doch endlich begreifen! Das sagen wir natürlich nicht offen. Aber wir denken so.

Die Euro-Befürworter argumentieren: Wir müssen unseren nationalen Wohlstand schützen. Die Euro-Gegner sagen: Wir müssen unsere nationale Souveränität schützen. Ein dänischer Publizist hat es neulich auf den Punkt gebracht: Fast alle Dänen betrachten die EU als ein Übel - die einen als ein notwendiges, die anderen als ein unnötiges.

Wir misstrauen großen Worten und Visionen. Wir haben eine angeborene Skepsis gegen größere Einheiten. Die Außenwelt ist etwas Bedrohliches, von außen kann eigentlich nichts Gutes kommen. Dieses Misstrauen richtet sich gegen die EU und gegen den großen Nachbarn Deutschland. Wir lieben unser kleines Land und uns selbst. Dänemark ist klein - und klein ist fein!

Die unsägliche EU-Aktion gegen Österreich hat viele Dänen in ihrem Misstrauen bestärkt. Der dänische Regierungschef Poul Nyrup Rasmussen hat seine Teilnahme an der Aktion so verteidigt: Er sei als letzter der 14 Regierungschefs konsultiert worden, als alles eigentlich schon beschlossene Sache war. Deshalb konnte Dänemark es sich nicht leisten, als einziges Land nein zu sagen und isoliert zu werden.

Diese Argumente waren Wasser auf die Mühlen der Euro-Gegner: Hier habt ihr den Beweis, dass Dänemark im großen Europa nichts zu melden hat! Hier sehr ihr, wie man mit einem kleinen Land umspringt! Wann kommt Dänemark an die Reihe?